Themenfeld:

Mensch und Gesellschaft

Es gibt eine Vielfalt von Gesellschaftsbeschreibungen: sie lauten Industrie-­, Dienstleistungs-, Risiko-­, Erlebnis-­, Wissens- ­oder Einwanderungsgesellschaft... Doch um welche Formation auch immer es sich handelt: Gesellschaftliche Entwicklungen und Kräfteverhältnisse haben Einfluss auf Theorie und Praxis der Kulturellen Bildung. Und zugleich wirkt Kulturelle Bildung auf diese zurück: als symbolische Deutung gesellschaftlicher Strömungen, als ästhetische Gestaltung, als kritischer Theorieansatz und diversitätsbewusstes Konzepte oder als organisatorische Rahmung. Die Autor*innen in diesem Themenfeld fokussieren sich kulturkritisch auf gesellschaftliche Wirklichkeit, legen kontroverse Standpunkte offen, diskutieren über qualifiziertes Kulturmanagement und kulturelle Demokratie, analysieren Zugänge und Ausschließungen zur Welt kultureller Teilhabe und Bildung, zeigen anhand von wissenschaftliche Erörterungen, was für die Zukunft eines demokratisch vielfältigen kulturellen Lebens einer Gesellschaft von Bedeutung ist.

52 Beiträge im Themenfeld

Von Anita Moser (2018 / 2016)

Zeitgenössische Kulturarbeit in ländlichen Räumen Österreichs: Bedingungen, Potenziale, kulturpolitische Forderungen

Dieser Artikel setzt sich mit Problemlagen und Herausforderungen zeitgenössischer Kunst- und Kulturarbeit abseits urbaner Zentren auseinander und skizziert Lösungsansätze sowie eine ländlichen Räumen angemessene Kulturpolitik.

Von Birgit Mandel (2018)

Kulturvermittlung in klassischen Kultureinrichtungen: Ambivalenzen, Widersprüche und Impulse für Veränderungen

Kritisch hinterfragt werden bisherige Handlungsstrategien institutioneller Kulturvermittlung. Der Preis „ZukunftsGut“ dient als Beispiel, um Qualitätsdimensionen für Kulturvermittlung in einer diversen Gesellschaft zu erörtern.

Von Siglinde Lang (2018)

Raum im Raum schaffen. Kunst, Ortsspezifität und Teilhabe als Ingredienzen kultureller Entwicklungsprozesse

Ländliche Kunst- und Kulturinitiativen leisten kulturelle Nahversorgung, bieten Raum für experimentelle Impulse und Engagement. Dennoch wird Kunst in ruralen Regionen als `provinziell´ belächelt und abgetan. Der Beitrag widerspricht dieser Haltung und verweist auf jenes Potenzial, das kontext- und lokalspezifische Kulturarbeit auszeichnet: Eine Kultur von allen für alle zu schaffen.

Von Kenneth Anders (2018)

Es geht um Freiheit. Über die ländliche Kultur als Gegenstand öffentlicher Förderung und eine Kulturelle Bildung als Landschaftliche Bildung

Ländliche oder provinziell geprägte Räume erscheinen nicht erst seit dem Aufblühen des demografischen Diskurses (Beetz 2007) als mangelhaft, denn sie bieten weniger Möglichkeiten für Bildung, Karriere und Konsum. Der Beitrag vertritt die These, dass diese strukturell bedingten Merkmale im Zeitalter der Versorgungsgesellschaft positiv gewendet werden können: Als Chance auf Souveränität im individuellen und sozialen Lebenszusammenhang. Die Voraussetzung für diesen Perspektivwechsel müssen allerdings geschaffen werden, vor allem in Form einer entsprechend instrumentell gedachten öffentlichen Kulturförderung. Der Text basiert auf einer Auseinandersetzung mit dem Thema ländliche Kultur im Rahmen des Programms TRAFO – Modelle für Kultur im Wandel, welches seit 2015 im Zuge einer Konzeption für das Oderbruch Museum Altranft im Sinn einer Werkstatt für ländliche Kultur geführt wird.

Von Christiane Raabe (2018 / 2015)

Kinderbücher für Frieden und Menschlichkeit – Ein Streifzug durch sieben Jahrzehnte

Seit dem Erscheinen von Erich Kästners Die Konferenz der Tiere gehören parabolische und fantastische Erzählungen gegen den Krieg zu gängigen Formen der Kinderliteratur. Im Zusammenhang mit der Ausstellung Guten Tag, lieber Feind! Bilderbücher für Frieden und Menschlichkeit, die erstmals 1996 in der Internationalen Jugendbibliothek (IJB) gezeigt wurde und 2014 von der Direktorin der IJB neu kuratiert wurde, entstand nachfolgender Fachbeitrag: ein Streifzug durch sieben Jahrzehnte Bilder- und Kinderbücher gegen den Krieg.

Von Max Fuchs (2018)

Qualität – eine Leitformel zwischen Entwicklungsimpuls und Kampfbegriff

Was ist Qualität? Was ist Qualität in der künstlerisch-ästhetischen Praxis und was sind deren Kriterien? Wer bestimmt mit welcher Legitimation und welchen Begründungen über Qualitätskriterien? Diesen Fragen geht der Beitrag kritisch nach: Aus welchem Kontext gelangen Evaluationen in den 1990er Jahren in die Bereiche der Kulturellen Bildung? Wer sind die Auftraggeber*innen der Studien und Evaluationen und welche Ziele verfolgen sie damit? Dieser Beitrag bietet ebenso gute Beispiele aus der künstlerisch-ästhetischen Praxis und offeriert somit den Akteuren aus den Feldern der Kulturellen Bildung positive Ansätze, die Evaluation ihrer (Vermittlungs)Praxis selbst in die Hand zu nehmen.

Von Maisha-Maureen Auma (2018)

Kulturelle Bildung in pluralen Gesellschaften: Diversität von Anfang an! Diskriminierungskritik von Anfang an!

Dieser Beitrag positioniert sich zu Kunst, Kultur und Bildung aus der Perspektive der Diversitätsforschung und Diversitätspädagogik. Der gesellschaftliche Auftrag der Kulturellen Bildung und der Kulturbegriff werden macht- und diskriminierungskritisch hinterfragt. Der Bereich der Kulturellen Bildung, der in diesem Beitrag näher analysiert wird, ist der Bereich der an Kinder adressierten literarischen Produktionen. Die gleichzeitige und polarisierende Produktion von Differenz und Dominanz in den Lebens- und Erfahrungsräumen der Kindheit, insbesondere in der Kinder- und Jugendliteratur, wird anhand von drei Spannungsfeldern konkretisiert. Dabei werden die diesem spezifischen Bereich der Kulturellen Bildung implizit enthaltenen hegemonialen Einschreibungen problematisiert und Möglichkeiten einer diversitätsorientierten und diskriminierungskritischen inklusiven Kulturellen Bildung abschließend skizziert.

Von Carmen Mörsch (2018 / 2016)

Refugees sind keine Zielgruppe

Dieser Beitrag kritisiert die Anwendung des Konzepts der »Zielgruppe« und verweist auf das Machtverhältnis, das in die Adressierung von Minorisierten durch mehrheitsangehörige Akteur*innen eingeschrieben ist: Einerseits erfolgt die Ansprache zumindest augenscheinlich mit dem Ziel, Gleichberechtigung her- oder zumindest als anzustrebendes Ergebnis in den Raum zu stellen. Andererseits aber bedingt Adressierung eine Identifizierung und damit eine Festschreibung der Angesprochenen als Andere, und eben gerade nicht als Gleiche. Statt Refugees als »Zielgruppe« zu adressieren wird Kulturelle Bildung über ein klar formuliertes Handlungsziel – die Freiheit von Rassismus – perspektiviert. Dieses Handlungsziel betrifft alle Mitglieder der Gesellschaft.

Von Birgit Mandel (2017 / 2016)

Audience Development, Kulturelle Bildung, Kulturentwicklungsplanung, Community Building. Konzepte zur Reduzierung der sozialen Selektivität des öffentlich geförderten Kulturangebots

Das Ziel, eine breite, sozial diverse Bevölkerung in die öffentlich bereitgestellten, institutionellen kulturellen Angebote, v.a. die Theater, Konzerthäuser und Museen zu involvieren, ist bis heute unerreicht. Doch mit welchen Strategien könnte es gelingen, ein diverses Publikum für öffentlich geförderte Kultureinrichtungen zu gewinnen und wie müssen sich Kulturpolitik, Kulturinstitutionen und Kulturmanagement dafür ändern? In diesem Beitrag werden die Forschungsergebnisse der vergangenen zehn Jahre zur Kulturnutzerforschung und über Audience Development Strategien zusammengetragen und kritisch reflektiert. Die Autorin gibt einen umfassenden Überblick zum Stand der Forschungen und kulturpolitischen Strategien dazu, das öffentlich geförderte kulturelle Leben in Deutschland diverser und inklusiver zu gestalten. Nach ihrer Analyse lassen sich in Deutschland drei zentrale Ansätze ausmachen, von denen erwartet wird, dass sie zur Reduzierung der sozial selektiven Effekte des öffentlich geförderten Kulturangebotes beitragen könnten: 1. Veränderung der Kulturinstitutionen (Audience Development in Verbindung mit Change Management), 2. Veränderung der Nachfrager (Kulturelle Bildung), 3. Veränderung der geförderten Kulturlandschaft (partizipative Kulturentwicklungsplanung und konzeptbasierte Kulturpolitik).