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Alter(n)

Das Recht auf kulturelle Teilhabe gilt ein Leben lang. Entsprechend entwickelt sich das Praxis- und Forschungsfeld der Kulturellen Bildung im Alter. Dabei geht es um Fragen wie: Wie wird Alter und Altern – als gesellschaftliche, kulturelle Frage – reflektiert, welche Altersbilder prägen Theorie- und Praxiskonzepte Kultureller Bildung? Welche Forschungen geben Auskunft über die Verschiedenheit und Besonderheiten von kulturellen Interessen und Bedürfnissen älterer Menschen? Welche konzeptionellen Spezifika der unterschiedlichen Kulturorte und künstlerischen Sparten lassen sich in den Bildungsprojekten für Ältere identifizieren? Wie werden die besonderen Bedingungen des Lebensumfeldes und des Lernens im Alter von der Kulturgeragogik didaktisch und methodisch aufgegriffen? Welche Formate eröffnen beispielgebende Settings für ein Miteinander und den Dialog der Generationen? Wer macht was an Aus-, Fort- und Weiterbildung im Feld der Kunst- und Kulturgeragogik, um Kulturelle Bildungsangebote im Alter adressatenspezifisch weiterzuentwickeln? Wie wird über Qualität in der Kultur- und Bildungsarbeit mit, für und von älteren Menschen gesellschaftspolitisch gestritten?

26 Beiträge im Themenfeld

Von Thomas Röbke (2014)

Bürgerschaftliches Engagement Älterer für die Kultur – Vielfalt der Formen und Anforderungen

1999 überraschte Wim Wenders mit „Buena Vista Social Club“. Einige ältere Herren und Damen spielen entspannt eine unwiderstehlich sehnsuchtsvolle Musik. Kein Traum von Jugend, von Fortschritt, vom dauernden Überschreiten der Grenzen, aber eben auch keine Verzweiflung, die sich deshalb breit machen müsste, sondern ein Lebensgefühl, das die bescheidenen Möglichkeiten im Hier und Jetzt auskostet. Etwa zehn Jahre später reüssierte der Film „Young at Heart“ über einen Seniorenchor in Massachusetts mit Songs der jüngeren Generationen, die authentisch und doch mit Augenzwinkern von 80-, ja 90-Jährigen unter Begeisterungsstürmen auf der Bühne zelebriert werden. Ein Genre scheint sich zu entwickeln. Seniorinnen und Senioren als Kulturbotschafter, die es nochmal wissen wollen, sich bürgerschaftlich im Kulturbereich engagieren und ihre Lebenskrisen durch Kunst überwinden.

Von Theo Hartogh, Hans Hermann Wickel (2014)

Musikalische Bildung im Alter

In Zukunft ist mit deutlich mehr Bildungsteilnehmern aus der älteren Generation zu rechnen, sodass eine neue Zielgruppe für anspruchsvolle Bildungsangebote entsteht. Die Ergebnisse musikbiografischer Studien zeigen, dass die nachberufliche und nachfamiliäre Lebensphase viel Freiraum für Aktivitäten, wie den Wieder- und Neueinstieg in das Spielen eines Instruments oder die Mitwirkung in einem Musikensemble (Orchester, Kammermusikensembles, Bands, Chöre), bietet. Zudem kann das aktive Musizieren die Lebensqualität im höheren Alter verbessern und in der nachberuflichen Phase entscheidend zur Stabilisierung der Identität beitragen.

Von Almuth Fricke (2013 / 2012)

Kulturelle Bildung im Dialog zwischen Jung und Alt

Im Zuge der demografischen Veränderungen unserer Gesellschaft stehen immer weniger Kinder und Jugendliche einer wachsenden Gruppe von älteren Menschen gegenüber (siehe Karl Ermert „Demografischer Wandel und Kulturelle Bildung in Deutschland“). Der jüngste Demografie-Bericht der Bundesregierung 2011 konstatiert, dass die Bevölkerung derzeit zu je einem Fünftel aus Kindern und Jugendlichen unter 20 und aus Über­-65­-Jährigen besteht, im Jahr 2030 werden die Über-65-Jährigen bereits etwa 29 % der Bevölkerung aus­machen (BMI 2011:32f.).

Von Kim de Groote (2013 / 2012)

Kulturelle Bildung im Alter

Stichwörter

Der demografische Wandel beeinflusst längst die Praxis der Kulturellen Bildung: In immer mehr Städten entstehen Seniorentheatergruppen. Der Deutsche Musikrat hat das Thema Musizieren 50+ auf der Agenda und diskutiert notwendige Rahmenbedingungen für das Musizieren im Al­ter. In der Medienarbeit werden Ansätze zur generationenübergreifenden Arbeit entwickelt. An manchen Museen entstehen Führungskonzepte für Menschen mit Demenz. Immer mehr feste und freie KulturpädagogInnen entdecken die Zielgruppe und entwickeln neue Angebotsformen.

Von Norbert Radermacher (2013 / 2012)

Kulturelle Bildung im Mehrgenerationenmodell Amateurtheater

Der Begriff „Amateur“ leitet sich ab vom lat. „amare“, d.h. „lieben“. Theateramateur ist, wer seine Beschäftigung mit dem Theater aus Liebhaberei und Freude am Spiel ausübt. Mit dieser Definition ist keine künstlerische Wertung verbunden, sondern es wird damit die Abgrenzung zu einer berufs-­ und erwerbsmäßig ausgeübten Tätigkeit beschrieben. Mit dem Sammelbegriff „Amateurtheater“ (AT) werden alle historischen und gegenwärtigen Formen der darstellenden Künste gekennzeichnet, soweit sie sich auf die außerberufliche Be­schäftigung mit der Kunstform Theater beziehen.