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Streitfälle der Vermessung Kultureller Bildung

42 Beiträge im Themenfeld

Von Peter Tiedeken (2015)

Kulturelle Bildung auch für Nazis? Perspektiven und Widersprüchlichkeiten von Akzeptierender Jugendarbeit und Inklusion mit Bezügen zur rechtsextremistischen Musikszene

Der folgende Artikel prüft, inwieweit Kulturelle Bildungsarbeit mit rechtsextremen Jugendlichen möglich ist und was bei der Gestaltung der Angebote zu beachten wäre. In diesem Zusammenhang wird zunächst die Akzeptierende Jugendarbeit als ein möglicher Ansatz zur Arbeit mit rechtsextremen Jugendlichen vorgestellt und auf Inklusion bezogen. Dabei wird festgestellt, dass die Werte inklusiver Pädagogik eine exkludierende Wirkkraft besitzen und Ausschluss somit nicht verhindern, sondern diesen reproduzieren. Dies wird auf die Arbeit mit rechtsextremen Jugendlichen bezogen, um Möglichkeiten zur Gestaltung von Angeboten der Kulturellen Bildung abzuleiten. In einem Fazit wird darauf hingewiesen, dass Inklusion in besonderer Weise gefährdet ist, die Werte der kapitalistischen Ökonomie zu affirmieren.

Von Christian Zürner (2015)

Lebenskunst als Lernziel Kultureller Bildung?

Der Artikel arbeitet Grundproblematiken des „Lernziels Lebenskunst“ heraus und vertritt die These, dass mit dem Lebenskunstbegriff einerseits Kulturelle Bildung an sich nicht hinreichend begründet, insbesondere aber ein von ihr intendiertes kritisches Profil nicht deutlich werden kann. Mit drei Impulsen aus der Kritischen Theorie legt er dar, inwiefern eine sich kritisch verstehende Konzeption Kultureller Bildung andere Akzente setzen müsste.

Von Pius Knüsel (2015)

Morsches Elfenbein, lahme Utopien... Perspektiven für die Soziokultur

Sind wir nicht alle ein bisschen Soziokultur, fragte die LAG Soziokultur Niedersachen in Anbetracht der Neuausrichtung der niedersächsischen Kulturpolitik auf Teilhabe und neue Zielgruppen und diskutierte die möglichen Folgen für die Freien Kulturträger. Zur Eröffnung der Diskussion wurde Pius Knüsel um einen Impulsvortrag gebeten. Zu den Herausforderungen, die Knüsel für die Soziokultur sieht, gehört unter anderem: sich sehr ernst mit den Fragen der ästhetischen Kompetenz in der Soziokultur auseinanderzusetzen. Ein spannender Beitrag zur Frage „Was ist Soziokultur?" und für die kubi-online Rubrik: DEBATTE „Streitfälle der Vermessung Kultureller Bildung".

Von Norbert Sievers (2015)

Neue Player – Neue Freunde? Wortmeldung zu einer aktuellen Debatte

Das Thema „Neue Player – neue Freunde" ist vielleicht gar nicht so schlecht, um einige Befindlichkeiten und Herausforderungen der Kulturellen Bildung zu diskutieren und Akteure, Motive, Regeln und Beziehungen, aber auch Strukturen, Macht und Einfluss im Spielfeld der Kulturellen Bildung zu beschreiben. Schon die Gegenüberstellung der Begriffe markierte eine Differenz. Player sind keine Freunde, allenfalls Geschäftspartner, vielleicht noch Koproduzenten. Die Begriffswahl war gewissermaßen verräterisch und sie sollte es sein.

Von Vanessa-Isabelle Reinwand-Weiss (2015)

Wirkungsnachweise in der Kulturellen Bildung: Möglich, umstritten, vergeblich, nötig?

Immer wieder wird, gerade im öffentlichen Diskurs um Kulturelle Bildung, nach Wirkungsnachweisen gefragt. In den letzten 15 Jahren sind mehr und mehr öffentliche Mittel in kulturelle Bildungsmaßnahmen geflossen. Ein Beispiel ist das bundesweite Programm „Kultur macht stark“ des Bundesbildungsministeriums, in das seit 2013 rund 230 Mio. EUR investiert werden. Zu Recht wird bei diesen Summen nach Wirkungsnachweisen verlangt, die allerdings selten konkreter spezifiziert werden. Was ist eigentlich mit Wirkungsnachweisen gemeint? Der folgende Artikel widmet sich dieser Frage und versucht eine Definition.

Von Max Fuchs (2014)

„Qualität“ – Eine Leitformel zwischen Entwicklungsimpuls und Kampfbegriff

Eine Aussage über die Qualität von Dingen oder Prozessen ist ein Werturteil, bei dem es darum geht, wie gut etwas ein angestrebtes Ziel erreicht bzw. wie gut etwas bestimmte Bedürfnisse erfüllt werden. Um sinnvoll ein Qualitätsurteil abgeben zu können, muss man auch den Bereich bzw. die Perspektive angeben, für den oder die das Urteil gilt. Es geht um ein Urteil, also einen Bewertungsprozess auf der Basis einer vorhandenen Urteilskraft. Bewertungsprozesse sind eingebettet in konkrete Kontexte, sie erfolgen im Hinblick auf bestimmte Erwartungshorizonte. Zudem sind Qualitätsurteile Vergleichsurteile. Hierfür braucht man Maßstäbe, für die wiederum gute Gründe angegeben werden müssen. Da der Qualitätsbegriff zu einem Schlüsselbegriff avanciert ist, lohnt ein genauerer Blick, was denn die Motivation für eine solche Konjunktur des Begriffes sein kann.

Von Max Fuchs (2014)

Überforderung, Überforschung, Überlagerung... Versuch über die Grenzen der Wirksamkeit kultureller Bildung

Der Preis der heutigen Konjunktur kultureller Bildung ist eine fürsorgliche Belagerung durch unterschiedliche Akteure. Noch ist es unklar, welche Motivationen – neben den öffentlich geäußerten – letztlich jeweils dahinter stehen und wem diese Konjunktur nützt. Doch könnte es sein, dass das vielfältige neue Interesse dem Arbeitsfeld weniger zuträglich ist, als man es sich erhofft. In den drei Aspekten Überforderung, Überforschung, Überlagerung überdenkt Fuchs diese Entwicklungen; allerdings handelt es sich um vorläufige Überlegungen, die oft spekulativ und möglicherweise eher pessimistisch sind.

Von Michael Wimmer (2014)

Sind es in erster Linie Widersprüche, die kulturelle Bildung konstituieren? Beobachtungen zum Stand des aktuellen Diskurses

In den letzten Wochen war ich eingeladen, eine Reihe von sogenannten Akteursforen zum Thema kulturelle Bildung zu moderieren. Die Stiftung Mercator zusammen mit einer Reihe weiterer Stiftungspartner ermöglichte es jeweils rund 20 VertreterInnen des schulischen und außerschulischen Bereichs, der Politik, Verwaltung, von Stiftungen und Verbänden sowie der Wissenschaft jeweils einen Tag lang deutschlandweit „in Dialog zu treten“.

Von Christian Rittelmeyer (2014)

Kulturelle Bildung ohne Künste?

Ich möchte zeigen, dass die ästhetische bzw. künstlerische Bildung ein wesentlicher und vielleicht zentraler Bereich der kulturellen Bildung ist, ohne allerdings mit ihr gleichgesetzt werden zu können. Diese Differenzierung erscheint in bildungstheoretischer Hinsicht dann sinnvoll, wenn die folgende Frage mit „ja“ beantwortet werden kann: Handelt es sich bei ästhetischen Erfahrungen um spezifische Modalitäten der Weltzuwendung, die durch keine andere Tätigkeits- bzw. Wahrnehmungsformen verwirklicht werden können?

Von Insa Lienemann (2014)

Kulturelle Jugendbildung zwischen gesellschaftlichem Verwertungsinteresse und dem Eigensinn der Künste

In seinen „Briefen zur ästhetischen Erziehung“ machte Schiller deutlich, worauf sein Begriff der ästhetischen Bildung zielte. Er sah die Sinne, also die Emotion und das Empfinden, klar getrennt vom Rationalen mit dem Verstand und dem Vermögen des Menschen, zu reflektieren. Er baute auf Distanz. „Die sinnlichen Menschen sollten über den Umweg des Ästhetischen vernünftig werden“ (Hanne Seitz 2010). Auf dieser Ebene liegt bis heute das gesellschaftliche Verwertungsinteresse im Umgang mit der kulturellen Bildung.