Kulturelle (Medien-)Bildung und digitaler Kapitalismus

Grafik der englischsprachigen Veröffentlichung "Bildung und digitaler Kapitalismus"
KI-Grafik (der englischsprachigen Veröffentlichung): Lilli Riettiens mit einer lizenzierten Version von Adobe Firefly der Universität Mainz.

In Kooperation mit der Initiative Bildung und digitaler Kapitalismus veröffentlicht kubi-online ein Dossier, welches das wichtige Thema der Kulturellen Bildung unter Bedingungen des digitalen Kapitalismus in den Fokus nimmt. Für das Dossier ausgewählt wurden 14 Beiträge, die sich sowohl aus theoretischer Sicht als auch im Hinblick auf verschiedene (kultur-)pädagogische Handlungsfelder und bildungspolitische Arenen dem Thema widmen. Sechs davon wurden von der kubi-online Redaktion ausgewählt als Nachdruck aus der von Valentin Dander, Nina Grünberger, Horst Niesyto und Horst Pohlmann herausgegebenen Veröffentlichung Bildung und digitaler Kapitalismus (München 2024). Acht weitere Artikel gehören zum Bestand des kubi-online Themenfelds Digitalisierung, das insgesamt fast 100 Beiträgen umfasst.

Alle Texte geben Impulse für ein kritisches Hinterfragen technologiegetriebener und kommerzieller Entwicklungen im Bildungsbereich. Gleichzeitig werden konzeptionelle, strategische und praktische Transfers zu pädagogischen Zielen, Werten und Arbeitsformen für selbstbestimmte und gemeinschaftliche Bildungs- und Lernprozesse aufgezeigt sowie die Rolle sogenannter „Künstlicher Intelligenz“ reflektiert. Die Beiträge verdeutlichen, dass digital-kapitalistische Verhältnisse alle Bildungsbereiche tangieren und einer intensiveren Bearbeitung und eines kritischen Diskurses bedürfen. 

I. Neuerscheinungen auf kubi-online aus „Bildung und digitaler Kapitalismus“

Von Max Fuchs

Bildung im digitalen Kapitalismus – einige Überlegungen aus kulturpädagogischer Sicht

Was ist bei der Diskussion des Zusammenhangs von Digitalisierung, Bildung und Kapitalismus zu berücksichtigen und welche Rolle könnte Kulturelle Bildung spielen, wo die Digitalisierung charakteristische Aspekte einer kapitalistischen Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung verstärkt? Für eine emanzipatorische Bildungsarbeit ist es eine entscheidende Frage, ob es gelingt, Distanz zu gesellschaftlichen Denkformen, in die kapitalistische Strukturprinzipien eingeschrieben sind, zu gewinnen.

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Von Nele Hirsch

Transformative Bildungsansätze im digitalen Kapitalismus

Ziel des Artikels ist es, pädagogisch tätigen Menschen sowohl Orientierung als auch praktische Ideen für die Gestaltung guter Bildung im digitalen Kapitalismus zu geben. Die Ermächtigung von Lernenden in einer zunehmend digital-geprägten Welt erfordert mehr als das Erlernen von digitalen Werkzeugen. Transformative Bildungsansätze können die Gestaltung einer eigenen Website, die Nutzung von Open Educational Resources (OER) im Rahmen einer Kultur des Teilens und der Aufbau eines Online-Vernetzungsraums im Fediverse sein.

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Von Guido Bröckling

Kritisch-reflexive Medienkompetenzförderung für alle

Medienbildung und Politische Bildung sollten das gemeinsame Ziel verfolgen, einen selbstbestimmten kritischen und reflektierten Umgang mit Medien und digitalen Systemen zu fördern und zugleich Gemeinschaftlichkeit und demokratische Strukturen zu stärken. Der Beitrag geht der Frage nach, wie Ansätze einer sowohl kritisch-reflexiven als auch niedrigschwelligen medienpädagogischen Praxis für alle Kinder und Jugendlichen angelegt sein müssten.

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Von Nina Grünberger

Vom Kolonialismus zum Code. Dekolonialisierende Fragen an medien-/pädagogische Verhandlungen digital-kapitalistischer Strukturen

Gegenwärtig nimmt eine gesellschaftskritische Auseinandersetzung mit hegemonialer Macht und Ubiquität von IT-Monopolen im Bildungskontext zu. Die Debatte wird unter dem Schlagwort des Digitalen Kapitalismus und mehrheitlich aus Perspektive des Globalen Nordens geführt. Dieser Beitrag geht über eine solche Perspektive hinaus und skizziert Phänomene digital-kapitalistischer Macht im Bildungskontext aus dekolonialisierender Perspektive. Er etabliert primär einen theoretischen Zugriff auf das Thema, den es in weiteren Forschungsbemühungen zu vertiefen gilt.

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Von Eva Borst

Fast Food für den Geist. Bildungstheoretische Reflexionen über ChatGPT

Der vorliegende Text diskutiert aus einer gesellschaftskritischen Perspektive die Wirkung der künstlichen Intelligenz auf Kinder. Hierbei steht ChatGPT pars pro toto für andere Chatbots. Von besonderem Interesse ist die Frage, ob und wie diese neue Technologie Einfluss auf die geistige Entwicklung von Heranwachsenden nimmt. Zu ihrer Beantwortung werden erziehungs- und bildungstheoretische sowie anthropologische Erkenntnisse herangezogen.

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Von Petra Missomelius

Digital Citizenship und Bildung

Der Beitrag thematisiert Digital Citizenship im Rahmen von Europas Digitaler Dekade 2030 zur Vermittlung digitaler Kompetenzen. Er skizziert die Umsetzung der Europaratsbeschlüsse in Österreich und stellt den Stand der österreichischen Strategie ,Digitale Kompetenzoffen­sive‘ vor. Unter Bezugnahme auf das Positionspapier der Initiative ,Bildung und digitaler Kapitalis­mus‘ wird das Konzept Digital Citi­zenship als bildungspolitische Strategie diskutiert.

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II. Auswahl von Texten aus dem kubi-online Themenfeld „Digitalisierung“

Von Horst Niesyto

Medienpädagogik und digitaler Kapitalismus. Für die Stärkung einer gesellschafts- und medienkritischen Perspektive

Der Beitrag stellt ausgewählte Analysen aus verschiedenen wissenschaftlichen Fachdisziplinen zum Thema digitaler Kapitalismus vor und verdeutlicht eine Affinität von digitalen und kapitalistischen Strukturprinzipien. Mit Blick auf historische Entwicklungslinien der Medienpädagogik wird begründet, weshalb die Stärkung einer gesellschafts- und medienkritischen Perspektive notwendig ist.

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Von Thomas Damberger

Herausforderung der Kulturellen Bildung im Digitalzeitalter

Es ist bezeichnend für den Menschen im Digitalzeitalter, dass er zum Objekt eines umfassenden kybernetischen Systems geworden ist, das er selbst geschaffen hat und für das Steuerung und Kontrolle - auch Manipulation - konstitutiv sind. Dieses System zeichnet sich durch eine radikale Gleichheit und Enthumanisierung aus, woraus wiederum Folgen für die der Kultur innewohnende Dialektik erwachsen. Was dies für die Kulturelle Bildung bedeutet, ist Gegenstand des vorliegenden Artikels.

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Von Christine Kramer

Teilhabe in der Kultur der Digitalität – Kinderarmut und die Chancen digitaler Bildung

Die Hauptthese dieses Beitrags führt aus, dass eine Perspektive auf das Phänomen der Digitalisierung ihre soziale und medienpädagogische Relevanz aus den von Felix Stalder in seiner „Kultur der Digitalität“ beschriebenen Kerncharakteristiken bezieht. Verdeutlich wird, dass es darum gehen muss, Kindern und Jugendlichen Kulturtechniken der Digitalität, u. a. Referenzialität und Gemeinschaftlichkeit, zu vermitteln. Medienpädagogische Angebote können auf diese zentralen kulturellen Fertigkeiten abheben, um Teilhabe zu erreichen.

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Von Daniel Autenrieth, Jan-René Schluchter

Künstliche Intelligenz, Klima und Bildung - Herausforderungen und Perspektiven

Die rasante Evolution von KI-Systemen und die Klimakrise weisen strukturelle Parallelen auf. Während aber gesellschaftlich über negative Klimawirkungen vieler Bereiche diskutiert wird, bleibt die (Nicht-)Nachhaltigkeit von KI-Systemen weitgehend unreflektiert. Dieser Artikel untersucht die Verflechtungen zwischen Künstlicher Intelligenz und (Nicht-)Nachhaltigkeit und entwickelt Perspektiven, wie Menschen in (medien-)pädagogischen Bildungskontexten befähigt werden können, diese komplexen Zusammenhänge zu verstehen und zukunftsfähige Transformationsprozesse von Gesellschaft mitzugestalten.

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Von Max Fuchs

Möglichkeiten zivilgesellschaftlicher Interventionen in der kulturellen Bildungspolitik: Das Positionspapier „Bildung und digitaler Kapitalismus“

In der kritischen Auseinandersetzung mit den Strukturen des digitalen Kapitalismus und seinen bildungspolitischen Auswirkungen formierte sich 2021 die Initiative „Bildung und digitaler Kapitalismus" und veröffentlichte ein entsprechendes Positionspapier. Der Beitrag verdeutlicht, vor dem Hintergrund von Entwicklungen des Politischen, von Governance-Perspektiven und Einflussmöglichkeiten von Infrastrukturen Kultureller Bildung, Probleme der politischen Kommunikation und diskutiert die Rolle von Positionspapieren als Möglichkeit zivilgesellschaftlicher Intervention.

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Von Torsten Meyer

Imaginäre Aktanten und das Subjekt (in) der Kulturellen Bildung

Künstliche Intelligenzen wie ChatGPT und aktuelle bildgenerative KIs sind derzeitiger Höhepunkt des komplexen technologischen und kulturellen Wandlungsprozesses, der zur „Kultur der Digitalität“ führt. Der Beitrag diskutiert die Bedeutung Künstlicher Intelligenz für ästhetische Bildungsprozesse. Er untersucht Wirkungen auf unser Verständnis von Bild, Betrachter:innenstandpunkte und Subjektpositionen und befasst sich mit dem Verlust von Vertrauen in den algorithmischen Medienkulturen.

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Von Benjamin Jörissen

Digital/Kulturelle Bildung: Plädoyer für eine Pädagogik der ästhetischen Reflexion digitaler Kultur

Digitalisierung in der Kulturellen Bildung manifestiert sich gleichermaßen ästhetisch-kulturell wie informativ. Sie verändert kulturelle Formen, Ästhetiken und Wahrnehmungsweisen. Im Hinblick auf praktische Ziele und hehre bildungstheoretische Zielsetzungen beschreibt dieser Beitrag die Digitalisierung von Kultur und Ästhetik und deren Potenziale, Digitalisierung im Rahmen ästhetischer Prozesse und Vollzüge umfassender zu erfahren und zu reflektieren.

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Dank für die Kooperation

Die Wissensplattform kubi-online dankt der Initiative Bildung und digitaler Kapitalismus und den Herausgeber*innen des gleichnamigen Sammelbandes für alle Impulse zur Hervorhebung dieses Themas, die Vertiefung des Fachdiskurses und die Unterstützung dieses Dossiers durch die Möglichkeit zur Zweitveröffentlichung von Beiträgen. Dank gilt auch der Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt, die die Publikation durch den Open-Access-Monografien-Fonds ermöglichte und dem kopaed-Verlag (München), auf dessen Verlagsseite die Veröffentlichung als PDF zugänglich ist. 

Mehr Wissen zum Thema

30 Beiträge umfasst der Open Access veröffentlichte Sammelband Bildung und digitaler Kapitalismus, herausgegeben von Valentin Dander, Nina Grünberger, Horst Niesyto und Horst Pohlmann im kopaed-Verlag, München 2024. 
Autor*innen sind: Daniel Autenrieth, Thomas Ballhausen, Franziska Bellinger, Anselm Böhmer, Eva Borst, Guido Bröckling, Andreas Büsch, Christoph Butterwegge, Valentin Dander, Gregor Eckert, Björn Friedrich, Max Fuchs, Eik Gädeke, Martin Geisler, Jan Groos, Nina Grünberger, Nele Hirsch, Sandra Hofhues, Peter Holzwarth, Theo Hug, Ronny Krug, Linda Längsfeld, Ralf Lankau, Christian Leineweber, Petra Missomelius, Evgeny Morozov, Heinz Moser, Horst Niesyto, Anthony G. Picciano, Horst Pohlmann, Christian Rall, Jan-René Schluchter, Andreas Spengler, Uli Tondorf, Anne-Sophie Waag.

Die Übersicht der im Themenfeld Digitalisierung auf der Wissensplattform veröffentlichten Artikel (Stand Oktober 2025 sind es 92 Beiträge) finden Sie hier.

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Die Wissensplattform „kubi-online: Wissenstransfer für Kulturelle Bildung“ wird getragen von der Akademie der Kulturellen Bildung des Bundes und des Landes NRW, der Bundesakademie für Kulturelle Bildung Wolfenbüttel, der Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung und der Stiftung Universität Hildesheim. Förderer von kubi-online ist seit 2018 das Bundesbildungsministerium (BMBFSFJ, ehemals BMBF).