Wissenstransfer in der Kulturellen Bildung

Johanna Benz (graphicrecording.cool)

Wissenstransfer ist ein bisher wenig reflektiertes Querschnittsthema in der Kulturellen Bildung. Das Dossier geht der Frage nach, wie Wissenstransfer - über die Zusammenarbeit und den wechselseitigen Erkenntnistransfer zwischen Wissenschaft und Praxis hinaus - die vielfältigen Akteur*innen und Wissensverständnisse in der Kulturellen Bildung miteinander in Dialog bringen kann und zur Weiterentwicklung Kultureller Bildung beiträgt. Damit setzte sich die 14. Tagung des Netzwerk Forschung Kulturelle Bildung (NFKB) und der Bundesakademie für Kulturelle Bildung Wolfenbüttel auseinander, die im März 2023 im Rahmen des BMBF geförderten Projekts Witra KuBi (Wissenstransfer in der Kulturellen Bildung) stattfand.

In sechzehn Fachbeiträgen, darunter vier Interviews, versammelt das Dossier diverse Perspektiven auf das Thema: machtkritische Reflexionen richten den Blick auf Wissensproduktions- und Transferprozesse in Kultureinrichtungen und kulturellen Bildungsprojekten; Transferakteur*innen sowie Wissenschaftler*innen reflektieren ihre (professionelle) Praxis unter Transferaspekten; künstlerische Positionen werden in Austausch mit wissenschaftlichen Positionen und Transferverständnissen gebracht; die Situiertheit und Anerkennung von Wissen wird als wesentliche Grundlage für Transfer sichtbar.

Anne Hartmann und Kerstin Hübner, die Herausgeberinnen des Dossiers, machen mit dieser Textsammlung das Wissen aus der Tagung heraus zugänglich und bieten Orientierung für das weitere Nachdenken und die Gestaltung zukünftigen Wissenstransfers. In ihrer Begleitung der Autor*innen haben sie Wert darauf gelegt, dass die Artikel die eigene Positionsbestimmung sichtbar machen, die Sprache möglichst zugänglich ist und dass ein reflexiver Ansatz und Kontextualisierungen den Wissenstransfer unterstützen. Zugleich zeigen sie mit dem Dossier Leerstellen auf: Arbeits- und Handlungsweisen der kulturpädagogischen und künstlerischen Praxis als non-verbalisiertes Wissen werden nicht dezidiert sichtbar; darüber hinaus braucht es weitere und neue Formate für die Darstellung unterschiedlichen Wissens in der Kulturellen Bildung und von Transferprozessen.

Zur Einführung

Von Anne Hartmann, Kerstin Hübner

Wissen in Bewegung – Wissenstransfer in der Kulturellen Bildung gemeinsam gestalten

Grundlagen von Wissensverständnissen und -formen, wie sie in der Kulturellen Bildung wichtig sind und sich im Dossier spiegeln, werden zusammengefasst und in ihren Chancen und Herausforderungen in der Kulturellen Bildung reflektiert. Besonders wesentlich ist ein offener Wissensbegriff, der Wissen als situiert, dynamisch und kontingent versteht. Erst so wird ein machtkritischer und wirksamer Transfer möglich, der die unterschiedlichen Potenziale und Perspektiven der Akteur*innen berücksichtigt.

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Wissen ist Macht!? - Machtkritische Perspektiven auf Wissensproduktion und Transfer

Von Sofie Olbers

Everything is connected - Wissen verbinden durch transnationales Lesen lernen

Ein machtkritischer Umgang mit Wissen, postkoloniale Ansätze und transnationales Lernen sind Anforderungen an gesellschaftliche Akteur*innen und Bildungsarbeit - und sollten in Kulturelle Bildung und digitale Vermittlungsformate Eingang finden. Diskutiert wird dies am Beispiel eines Austauschprojekts junger Künstler*innen aus Windhoek und Hamburg, die sich digital vernetzt und ausgehend von ihrem kolonialen Erbe darüber austauschen, was sie heute verbindet.

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Von Türkân Deniz-Roggenbuck, Dirk Sorge

Wissen im Kontext von Machtasymmetrien und Dominanzsystemen - eine Frage von Erfahrung, Haltung und Motivation

Welches Wissen fehlt in Kultureinrichtungen mit Blick auf Teilhabe und Teilgabe von Macht? Im gemeinsamen Gespräch reflektieren die beiden Autor*innen Wissenstransfer- und Veränderungsprozesse in Kultureinrichtungen ausgehend von ihrer Arbeitspraxis als Berater*innen im Bereich Inklusion und Diversität. Im Kontext des Dossiers über Wissenstransfer sind die beiden Autor*innen hierzu im Gespräch.

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Wissen in den Künsten: Künstlerische Zugänge zur Gestaltung von Transferprozessen

Von Astrid Lembcke-Thiel, Lea Spahn

„traveling objects“ – Anfassen – Anordnen – Umordnen – Un_ordnen. Eine künstlerische Intervention

Wissenstransfer? – geht es da wirklich um den Transfer von bestehendem Wissen? Oder könnten wir diesen „Weitertransport“ nicht viel mehr im Sinne einer Reise verstehen, auf der Wissen gemeinsam verunsichert, verhandelt und hervorgebracht wird, also einem Prozess des traveling? Dieser Beitrag reflektiert Wissenstransferprozesse im Rahmen der 14. Netzwerktagung „Experiment Wissen" (2023) und lotet diese als kollektiven Raum für das „Experiment Wissen“ aus.

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Von Mona Jas

Wissenstransfer und Wissen teilen. Von wechselseitigen Lernprozessen im Kontext einer Kunstinstitution

Vor dem Hintergrund eines durch künstlerische Perspektiven erweiterten Wissensbegriffs spürt der Beitrag den Möglichkeiten nach, die im Teilen des künstlerischen Wissens und den damit verbundenen co-kreativen Prozessen liegen. Er reflektiert am Beispiel des KinderKunstLabor St. Pölten, einer im Entstehen begriffenen Kunstinstitution für und mit einem jungen Publikum, wie in einer lernenden Institution Wissen transferiert und Forschung, Bildung und Kunst unter einem Dach vereint werden können.

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Von Kathrin Borg-Tiburcy

Offenheit und Irritation in kreativen Gestaltungsprozessen – Transfer- und Reflexionsimpulse für die wissenschaftliche Produktion von Wissen?

Verwandtschaftliche Verhältnisse zwischen kreativen Gestaltungsprozessen und wissenschaftlichen Erkenntnisprozessen werden theoretisch begründet und an einem Lehr-Lernforschungsprojekt erläutert. Der Beitrag macht sichtbar, dass die oftmals marginalisierten kreativen Ausdrucksmöglichkeiten verschiedenste Sinnzusammenhänge erzeugen und auch für die wissenschaftliche Produktion von Wissen und die Reflexion eigener biografischer Erfahrungen bedeutsam sind.

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Zwischenräume schaffen: Transferakteur*innen für Vernetzung und Übersetzung

Von Sarah Kuschel, Nina Stoffers

Wissen als Raum? Macht? Spiel? Verbände und Weiterbildungsträger als Schnittstelle zwischen Praxis, Forschung und Politik

Unterschiedliche Wissensakteur*innen, unterschiedliche Formate, unterschiedliche Hierarchien, unterschiedliche Anerkennung von Wissensformen – damit jonglieren die Landesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung Sachsen (LKJ) und die Bundesakademie für Kulturelle Bildung Wolfenbüttel alltäglich und schaffen Räume für Innehalten und Transfer. Für das Dossier interviewen Anne Hartmann und Kerstin Hübner die Autorinnen dieses Beitrags.

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Von Thanassis Kalaitzis, Monika Nordhausen

Unsere Heimat ist das Dazwischen. Kulturagent*innen als Agent*innen des Wandels

Kulturagent*innen agieren in den Zwischenräumen vieler Handlungsfelder der Kulturellen Bildung. Mit der Fähigkeit, dieses Dazwischen zu gestalten und für Wandel und Neues nutzbar zu machen, könnten Kulturagent*innen auch als Agent*innen des Wandels bezeichnet werden. Sie sichern damit nicht nur Projekte und Kooperationen in der Kulturellen Bildung, sondern auch eine Weiterentwicklung aller Beteiligten durch eine sehr hohe Prozessqualität. Anne Hartmann und Kerstin Hübner führen für das Dossier über „Wissenstransfer in der Kulturellen Bildung" mit den Autor*innen ein Gespräch.

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Von Tom Braun, Kerstin Hübner

Arenen der Wissensformen – Verbände der kulturellen Kinder- und Jugendbildung

In ihren langjährigen BKJ-Rollen diskutieren die Autor*innen ihr Handeln als Wissenstransfer-Akteur*in im Schnittfeld von Wissenschaft, Praxis und Politik. Sie reflektieren ihr Bemühen, durch Beobachten und Interpretieren, Zuhören und Kommunizieren, Lesen und Schreiben, Lobbying und Vernetzen, Reflektieren und Handeln, die Kulturelle Bildung unter dem Verbandsdach zukunftsorientiert weiterzuentwickeln.

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Von Alicia de Banffy-Hall

Das Community Music Netzwerk als Diskurs- und Transferplattform

Community Music in Deutschland – sie ist nicht denkbar ohne Engagement, ohne das Zusammenführen von Praxis und Forschung und ohne die Entwicklung eines Netzwerkes, das hierfür eine Plattform bietet. Dieser Beitrag entstand vor dem Hintergrund der 14. Netzwerktagung „Experiment Wissen" (2023). Für das Dossier interviewen Anne Hartmann und Kerstin Hübner die Autorin dieses Beitrags.

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Forschung mit Praxis im Dialog: Exemplarische Transferperspektiven in Forschungsprozessen (im Kontext ländlicher Räume)

Von Claudia Kühn, Julia Franz, Annette Scheunpflug

Impliziter und expliziter Wissensaustausch in Forschung zu (alltags-)kultureller Bildung in ländlichen Räumen

Welche Formen des Wissensaustauschs sind in (qualitativer) Forschung zu (alltags-)kultureller Bildung in ländlichen Räumen bedeutsam und wie können sie systematisch reflektiert werden? Diese Fragen werden im Beitrag am Beispiel einer Studie zur Weitergabe alltagskulturellen Wissens diskutiert, Interessens- und Wissensdifferenzen von Wissenschaft und Praxis werden beleuchtet.

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Nach dem Transfer ist vor dem Transfer: Unterstützen auch Sie diesen Wissenstransfer!

So wie Wissen sich stets weiterentwickelt und erweitert, ist auch dieses Dossier dynamisch: Wir laden herzlich dazu ein, zum Thema weitere Beiträge einzureichen und freuen uns über weitere Perspektiven, Positionen und Reflexionen zum Thema Wissenstransfer in der Kulturellen Bildung.

Hier finden Sie unseren Leitfaden für Autor*innen. Ihre Artikelvorschläge richten Sie bitte an: redaktion@kubi-online.de.