Kulturelle Bildung im Anthropozän
In den letzten Jahren ist etwas in Bewegung geraten. Mit der Zuspitzung von Extremwetterereignissen oder der Pandemie ist die ökologische Krise für jede und jeden konkret erfahrbar geworden. Und auch wenn sich gegenwärtig andere, kriegerische Konflikte in den Vordergrund drängen, wächst allmählich ein allgemeines Bewusstsein für die planetarischen Ausmaße der ökologischen Krise und ihre gesellschaftspolitischen Implikationen. Ein Begriff, der die Ursachen und die Verantwortung dafür in menschlichen Produktionsweisen und in einem bestimmten Mensch-Natur-Verhältnis ausmacht, ist derjenige des Anthropozäns. Rund zehn Jahre, nachdem das Anthropozän-Konzept im deutschsprachigen Raum – stark angeregt durch die Berliner Initiative des Hauses der Kulturen der Welt mit „Das Anthropozän-Projekt“ von 2013-2014 – auch in der Kultur angekommen ist, versucht dieses Dossier, Stimmen zu einer Neuverortung der Kulturellen Bildung im Anthropozän angesichts folgender Fragen zu bündeln:
Welche Auswirkungen hat die zunehmende Zerstörung unserer planetaren Lebensgrundlagen auf Theorie und Praxis von Kulturarbeit und Kulturvermittlung? Von welchen diskursiven Zusammenhängen wird jeweils ausgegangen? Wie reagieren wir im Feld der Kulturellen Bildung und Kulturvermittlung auf die Bedrohungen des (menschlichen) Lebens, die die ungleiche Verteilung von Macht und Ressourcen im lokalen, nationalen und planetaren Kontext umso deutlicher hervortreten lassen? Welche (neuen) Selbstbeschreibungen und Zielsetzungen und vor allem welche Praxen werden entwickelt? Allen Beiträgen gemeinsam ist die Überzeugung, dass die Kulturelle Bildung sich vor dem Hintergrund der planetaren Krisen neu positionieren muss.
Grundlage des Dossiers bilden drei von den Herausgeberinnen initiierte und organisierte Tagungen im Herbst 2024: „Klima – Landschaft – Kunst. Kulturelle Bildung im Anthropozän“ in Potsdam mit der Folgeveranstaltung „Klima – Wald – Kunst“ in Eberswalde und „AnWenden. Lehre und Vermittlung in der Klimakrise“ an der Universität der Künste Berlin. Auf den Tagungen wurde in vielfältigen Praxis- und Theorieformaten um Konsequenzen für eine an solchen Fragen orientierte ästhetisch-künstlerische Bildungs- und Vermittlungspraxis gerungen, wohl wissend, dass es mehr Fragen als Antworten gibt. Mit dem Dossier, in das nun zahlreiche Beiträge der Tagungen einfließen, möchten wir die Kulturelle Bildung stärker und vielstimmiger als bisher im Anthropozän positionieren: aus der Perspektive der Bildungstheorie und Pädagogik, aus derjenigen der Kunstvermittlung und kuratorischen Arbeit sowie aus der Perspektive von Kunst, künstlerisch-pädagogischer Lehre und Praxis in den verschiedenen Feldern.
Herausgeberinnen dieses Dossiers sind Ute Pinkert (Universität der Künste Berlin), Nicola Lepp (Fachhochschule Potsdam) und Karin Kranhold (Plattform Kulturelle Bildung Brandenburg).
Als Teil der „Einführungen und Grundlagen" werden zwei bereits länger erschienene paradigmatische Texte aufgenommen:
Dank für die Kooperation
Die Wissensplattform kubi-online dankt den Herausgeberinnen für alle Impulse zur Hervorhebung dieses Themas, die damit verbundene Vertiefung des Fachdiskurses und die Realisierung dieses Dossiers.
Mehr Wissen zum Thema Künste, Natur, Nachhaltigkeit
Die Übersicht der im Themenfeld Künste, Natur, Nachhaltigkeit auf der Wissensplattform veröffentlichten Artikel (Stand Dezember 2025 sind es 51 Beiträge) finden Sie hier.
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