Die Resonanztheorie aus Perspektive der Kulturellen und Ästhetischen Bildung

Resonanz = Kulturelle Bildung = ästhetische Erfahrung? Wie sprechen wir über unsere Praxis?

Artikel-Metadaten

von Ute Pinkert

Erscheinungsjahr: 2026

Abstract

Der Vortrag beleuchtet die Beziehung zwischen Kultureller Bildung und Hartmut Rosas Resonanztheorie – zunächst auf der Makroebene und anschließend durch einen Vergleich von ästhetischer Erfahrung und Resonanzarbeit auf der Mikroebene. 

Der Vortrag strukturiert auf der Makroebene zunächst das Feld Kultureller Bildung entlang der Feldtheorie Pierre Bourdieus. Kulturelle Bildung wird als sozialer Raum beschrieben, der sich in steter Aushandlung befindet, durch spezifische Wertorientierungen geprägt ist, konzeptionell und historisch Wandlungen unterworfen ist und vor dem Hintergrund des Themas Teilhabe machthierarchisch reflektiert werden muss. Rosas Metatheorie wiederum führt Resonanz als Antwort auf die Beschleunigungsdynamik und Entfremdung der Moderne ein – und setzt Resonanz als Maßstab gelingender Weltbeziehung. Resonanz wird als dialogisches, antwortendes Verhältnis zwischen Subjekt und Welt verstanden, das auf ein „gutes Leben“ zielt und neue Horizonte jenseits kapitalistischer Logiken erschließt. Ute Pinkert hebt hervor, dass die gesellschaftliche Bestandsaufnahme, die der Resonanztheorie zugrunde liegt, Kulturelle Bildung in ihren gesellschaftlichen Aufgaben kritisch adressiert: Inwieweit kann Kulturelle Bildung Resonanzverhältnisse ermöglichen, wenn ihr zugleich ökonomische und gesellschaftliche Strukturen eingeschrieben sind, die Entfremdung und Privilegierung verstärken (können)? 

Im zweiten Teil geht der Vortrag insbesondere auf Momente der Resonanzerfahrung ein und hebt den transformativen Moment von Resonanz hervor:

„Resonanz ist eine durch Affizierung und Emotion, intrinsisches Interesse und Selbstwirksamkeitserwartung gebildete Form der Weltbeziehung, in der sich Subjekt und Welt gegenseitig berühren und zugleich transformieren. 

Resonanz ist keine Echo-, sondern eine Antwortbeziehung; sie setzt voraus, dass beide Seiten mit eigener Stimme sprechen, und dies ist nur dort möglich, wo starke Wertungen berührt werden. Resonanz impliziert ein Moment konstitutiver Unverfügbarkeit.“ (Rosa: 298)

Anhand dieser Aussage werden strukturelle Ähnlichkeiten zu Beschreibungen von ästhetischer Erfahrung hervorgehoben, die sich wie die Resonanzerfahrung auch auf Ich- und Welterfahrungen beziehen. Während aber Resonanz auf das Momenthafte und die Verbundenheit von Ich und Welt zielt, sieht Pinkert die Besonderheit der ästhetischen Bildung in ihrer  Prozesshaftigkeit und dem Wechselspiel zwischen Affirmation und Differenz: Kulturelle Praxis und ästhetische Bildung ermöglichen nicht nur die Vertiefung bestehender Weltbeziehungen, sondern eben auch Distanzierung, Irritation und Transformation durch künstlerische Auseinandersetzung. Zur Illustration dieser These zieht Ute Pinkert theaterpädagogische Beispiele heran. 

Abschließend plädiert Pinkert für einen differenzierten Einsatz des Resonanzbegriffs in der Kulturellen Bildung: Resonanz kann im Sinne eines pädagogischen Modells ästhetische Erfahrungen initiieren (ästhetische Bildung geht in ihrer Prozesshaftigkeit aber deutlich über Resonanzmomente hinaus), ästhetische Bildung kann verschiedene Resonanzachsen/-verhältnisse „anspielen“ und die Resonanztheorie kann als kritische Reflexionsfolie für das Feld Kultureller Bildung genutzt werden. 

Autor:in: Ute Pinkert

Beitragsdauer
40:14

Der Video-Vortrag gliedert sich wie folgt

  1. Makroebene - Positionsbestimmung 
  • Kulturelle Bildung als soziales Feld 2:17
  • Resonanztheorie als soziologische Theorie 7:07
  • Resonanztheorie UND Kulturelle Bildung 13:19
  1. Mikroebene 
  • Ästhetische Erfahrung und Resonanzerfahrung: Überschneidungen und Differenzen 19:57
  • Thesen 23:46
  • Fazit 36:42