Radikal inklusiv – Von der Teilhabe zur Gestaltung in kultureller Vielfalt

Artikel-Metadaten

von Matthias Gräßlin, Katharina Witte

Erscheinungsjahr: 2026

Peer Reviewed

Abstract

Der Begriff der Inklusion wird im allgemeinen Sprachgebrauch und auch in verschiedenen fachlichen Diskursen so breit und gleichzeitig unterschiedlich verwendet, dass er gemessen an seiner ursprünglichen Bedeutung inzwischen an vielen Stellen für wenig brauchbar gehalten wird. Aufgrund seiner weder einzuhaltenden Ansprüche noch eingehaltenen Versprechungen, werden die an ihn gestellten Erwartungen als gesellschaftliches Programm weit häufiger enttäuscht als erfüllt.

In Anbetracht dieser Problematik versuchen die Autor:innen, diesem Begriff in einem dialogischen Prozess neu auf den Grund zu gehen. In kulturwissenschaftlichen, soziologischen, ethischen und kunsttheoretischen Ansätzen werden Möglichkeiten gefunden, den Begriff der Inklusion auf seine ursprüngliche Bedeutung zurückzuführen und damit mögliche Grundlagen für den Begriff einer radikalen Inklusion aufzuzeigen. Dabei wird das Spannungsfeld von Aushandlungsprozessen zwischen Entscheidungssouveränität und Zusammenhalt sowie der Anerkennung von Differenzen sichtbar, welches das Zusammenleben von Menschen auf privater, sozialer, kultureller, politischer und gesamtgesellschaftlicher Ebene prägt.

Durch die Heranziehung von Ansätzen kulturell-ästhetischer Konzepte menschlicher Weltzugänge wird schließlich die Bedeutsamkeit von Kunst, Kultur und Kultureller Bildung in einer radikal inklusiv orientierten Gesellschaft verdeutlicht. Hiervon ausgehend kann künstlerische Praxis, die auf Prinzipien ästhetischer Weltzugänge und auf Dialogprozessen beruht, maßgebliche und nachhaltige Impulse für gesellschaftliche Veränderungen geben.

Inklusion: Theorie und Kritik

Zu den Wurzeln des Begriffes 

Inklusion bezieht sich als Begriff aus der Soziologie ursprünglich auf die Annahme einer sich im Zuge der historischen Entwicklung der „Moderne“ in Teilsysteme ausdifferenzierenden Gesellschaft, und bedeutet die „zunehmende Einbeziehung“ jedes einzelnen Menschen in diese Teilsysteme, so Jörg Michael Kastl (2017). Er spricht von einem „differenzierungstheoretischen“ Begriff der Inklusion (Kastl 2017:215) und bezieht sich damit auf den britischen Soziologen Thomas Marshall, dessen Text „Staatsbürgerrechte und soziale Klassen“ (1950/1992) Ausgangspunkt war für weitere Überlegungen von Talcott Parsons (1965) im Zusammenhang mit der Bürgerrechtsbewegung in den USA und Niklas Luhmann (1965, 1980) in Deutschland im Diskurs zur Bedeutung von Grundrechten in einer sich ausdifferenzierenden Gesellschaft.

Diesem Verständnis von Inklusion liegt somit die Annahme einer zunehmenden gesellschaftlichen Individualisierung zugrunde, da die vorher bestehenden Identität und Zugehörigkeit stiftenden Strukturen wie Familie, Stand u. Ä. abgelöst werden durch eine funktional gegliederte Gesellschaftsordnung – mit Rechtssystem, Gesundheitssystem, Bildungssystem, Sozialsystem usw. Innerhalb dieser verschiedenen Systeme nimmt die einzelne Person unterschiedliche Rollen ein; manche sind ohne Voraussetzungen zugänglich, andere sind an bestimmte – z. B. bildungsbezogene oder ökonomische – Voraussetzungen gebunden. Die Menschenrechte und auch Rechte, wie sie z. B. in der UN Behindertenrechtskonvention (UN BRK) verankert sind, beziehen sich darauf, dass jedem Menschen durch Schaffung der entsprechenden Strukturen und durch Abbau gegebener Barrieren (Kastl 2017:216) die Möglichkeit verschafft werden muss, zu diesen verschiedenen gesellschaftlichen Teilsystemen Zugang zu haben (Kastl 2017:217ff.). Rechte sind dazu da, diese Zugänge auch unter erschwerten Bedingungen abzusichern.

Der Begriff der Inklusion hat, so verstanden, noch nichts mit dem Vorhandensein sozialer Eingebundenheit oder Teilhabe an Werten oder Gütern unterschiedlicher Art zu tun. Er beschreibt die Bereitstellung der Voraussetzungen für diese menschlichen Grundbedürfnisse nach Zugehörigkeit und Teilhabe, aber nicht deren Umsetzung (Kastl 2017:218ff.). Dass genau diese Umsetzung zwar in vielerlei Weise angestrebt, aber in vielerlei Maßnahmen auch eher erschwert als ermöglicht wird, zeigt die Widersprüchlichkeit gesellschaftlicher Strukturen und Prozesse. 

Vom Missverständnis zur radikalen Inklusion

Politische, soziale, kulturelle und pädagogische Bemühungen um Inklusion führen in der Lebensrealität von Menschen, die von Behinderung oder anderen erschwerenden Lebensbedingungen betroffen sind, immer wieder zu empfundener und realer Ausgrenzung, Benachteiligung, Frustration – vor allem dann, wenn der Anspruch formuliert wird, den Bedingungen von Inklusion gerecht zu werden, dies aber trotzdem in unterschiedlicher Weise nicht gelingt. Beispiele lassen sich in vielen gesellschaftlichen Bereichen finden; im Kontext von Initiativen von Selbstvertreter:innen (z. B. Die Sozialheld:innen), sowie auch im Kontext der Disability Studies (vgl. z. B. Ingwersen et al. 2017) werden sie auf sozialer, politischer und auch auf wissenschaftlicher Ebene thematisiert und nach Möglichkeit daraus Maßnahmen zur Veränderung abgeleitet. Bei den alltagsbezogenen Maßnahmen handelt es sich allerdings selten um strukturelle Veränderungen, sondern eher um punktuelle, kontextabhängige Erscheinungen wie zum Beispiel lokale Projekte zur Veränderung der Arbeitsmarktsituation, Bereitstellung von Informationen zu einer diversitätssensiblen Sprachgestaltung in den journalistischen Medien (www. leidmedien.de) usw. Zwischen und selbst innerhalb solcher „Inseln“ ermöglichter Teilhabe sind viele von Behinderung und andere von Ausgrenzung betroffene Menschen (all)täglich damit beschäftigt, sich mit Barrieren unterschiedlichster Art auseinanderzusetzen. 

Die überwiegend vergeblichen Versuche von Inklusion in öffentlichen Einrichtungen der Regelsysteme in Bildungs-, Wirtschafts- und Kulturbetrieben haben viel mit dem Labeling von Inklusion als ‚Integrationsbemühungen für Menschen mit Behinderungen‘ zu tun. Das reicht bis in die Widerstandsbewegung – von der „Krüppelbewegung“ der 1980er Jahre bis zu „People First“ und den „Sozialhelden“ heute. So postulierte der Aktivist Raul Krauthausen in seinem Instagram-Kanal am 21.10.2025: „‚Inklusion‘ und ‚Barrierefreiheit‘ bestehen nur, weil Ausgrenzung die Norm ist. Solange das so ist, brauchen wir diese Worte als Widerstand und Richtung“. Uwe Becker überführt die bisher vergeblichen Versuche der Umsetzung gar der „Inklusionslüge“ (Becker 2015). So unterliege der utopische Charakter der Inklusionsidee etwa im Bildungswesen oder der Kultur regelmäßig dem Finanzierungsvorbehalt des Haushaltsrechts. Ihr zentrales Anliegen sei die Wegbereitung zur ungehinderten gesellschaftlichen Teilhabe aller Menschen mit Behinderung. Es gehe darum, den „vollen und gleichberechtigten Genuss aller Menschenrechte und Grundfreiheiten durch alle Menschen mit Behinderung zu fördern, zu schützen und zu gewährleisten“ (Art. 1, UN BRK, vgl. Becker 2015:9).

Dabei sieht Inklusion – wie oben dargelegt – im ursprünglichen Sinne gar keine prominent einzuschließende oder zu beachtende Zielgruppe vor. Im Gegenteil. Eine solche Idee widerspricht geradezu der Idee eines selbstverständlichen und gleichberechtigten Miteinanders aller Verschiedenen, wie sie etwa von Michael Winkler aus der UN-Behindertenrechtskonvention ableitend unterstrichen wird, „[...] denn sie zielt nicht auf Förderung und Forderung. Ihr Ansatz ist radikaler, weil er jeder und jedem die innere Würde zuerkennt, gleich viel, wie sein aktiver Anteil an der Gestaltung der Welt sein mag“ (Winkler 2018:46). Und Uwe Becker folgert: „Wenn man den Begriff der Inklusion für gesellschaftliche Transformationsprozesse überhaupt sinnvoll und kritisch verwenden will, dann meint er nicht den ‚Einschluss‘ in Bestehendes, sondern den Zusammenschluss von Vielfalt“ (Becker 2015:17). Dazu gehöre auch die Hinterfragung der „normierenden Logik“ (ebd.). „Inklusion, kritisch gedacht und radikal gestaltet, würde dieser Gesellschaft in der Tat ein neues, ein verändertes Gesicht und eine neue Zentrierung geben“ (ebd.).

Wider die Vereinheitlichung der Welt

Einer solch radikal gestalteten vielfältigen und inklusiven Kultur stehen vor allem die allgegenwärtige gesellschaftliche Tendenz der Vereinheitlichung und der Vereindeutigung der Welt entgegen. Sie ist Menschen – mehr als allen anderen Lebewesen – als Strategie zu eigen, um die eigene Sicherheit und die Vormacht über Narrative, Gruppen, Produktionen, Märkte und letztlich globale Entwicklungen zu erlangen. Die einseitige Orientierung an linearem Wachstum, einem „höher, schneller, weiter“ zur ökonomischen Gewinnmaximierung und vermeintlichen Effizienz führt auf der anderen Seite zum Rückgang von Entwicklungsmöglichkeiten in offener Wechselwirkung. Die Folge ist der Verlust an Mehrdeutigkeit und Vielfalt. Davor wird in Bezug auf die Zerstörung des lebensermöglichenden Klimas, der ökologischen Balance und der Biodiversität, also unserer Lebensgrundlagen, seit langem gewarnt (u. a. vom Club of Rome, vgl. Dennis Meadows 1972). Unter den Menschen geht die Tendenz zur Normierung und letztlich auch negative Folgen der Digitalisierung immer zu Lasten von Selbstbestimmung und Differenzierung einerseits, Demokratie und Zusammenhalt andererseits. Sie führt zur Ausgrenzung von Menschen, die nicht den Leistungs- und Normerwartungen entsprechen oder wegen ihrer Verschiedenheit abgelehnt, ausgeblendet oder benachteiligt werden oder dies selbst so empfinden und sich deprimiert aus dem Kreis etablierter Menschen zurückziehen. 

Wie die Biodiversität in der Natur ist also die Vielfalt unserer eigenen menschlichen Lebensweisen bedroht. Mit der zunehmenden evolutionären Dominanz des Menschen auf der Erde, so die These von Thomas Bauer, strebt der Mensch, anders als die Natur an sich, nach Vereindeutigung (vgl. Bauer 2018:30). Während die Natur im Allgemeinen durch chemische Reaktionen, genetische Mutationen und Kreuzungen ihr vielfältiges Potenzial nutzt und steigert, scheint in der Natur des Menschen die Vermeidung von Vieldeutigkeit angelegt zu sein. So arbeitet er unter dem Diktat von Ertrag und Drang nach Regulierung ständig an der Vereinheitlichung der Welt, sei es in der Gestaltung von Landschaften, der Technik, Wirtschaft oder Kultur. Es erfordert Neugier, Mut und Selbstvertrauen, sich unter Verschiedenen zu behaupten und einzubringen. Denn die geringe Toleranz für Vielfalt, Komplexität und Pluralität führt leicht zu kulturellen und sozialen Konflikten, die vielerorts für gesellschaftliche Spaltung sorgen, sozialen Frieden bedrohen – bis hin zu gewalttätigen Übergriffen und Auseinandersetzungen im lokalen sozialen Umfeld wie auf globaleren Ebenen. 

Bis hierhin lässt sich festhalten, dass Inklusion ursprünglich ein rein struktureller Begriff war, der sich auf rechtliche Grundlagen in einer sich funktional ausdifferenzierten Gesellschaft bezieht. In der aktuellen gesellschaftlichen Entwicklung zeigt sich ein Verständnis von Inklusion, bei dem häufig eine Diskrepanz zwischen Ankündigungen oder behaupteter Umsetzung und erlebter Realität besteht. Daraus entstehen Ideen zu einer grundsätzlichen, transformierenden gesellschaftlichen Veränderung, die dem Begriff der Inklusion gerecht werden würde. Jedoch müssen gesellschaftliche Tendenzen der Vereinheitlichung und Abgrenzung – bzw. der menschliche Drang nach Vereindeutigung und das Streben nach Macht – berücksichtigt werden, die solchen Ideen in der gesellschaftlichen Realität entgegenstehen. Um sie weiterzuverfolgen, braucht es die Suche nach Denkfiguren, aus denen sich gesellschaftliche Veränderungen theoretisch begründen und in reale Praktiken überführen lassen.

Kulturwissenschaftliche, philosophische und ethische Überlegungen zu einer radikal verstandenen Inklusion

Um der Idee der Inklusion als kulturelles Gedanken- und Praxismodell aus verschiedenen Perspektiven auf den Grund zu gehen, werden ausgehend von Überlegungen zur gesellschaftlichen Umsetzung des ursprünglichen Inklusionsgedankens verschiedene theoretische Ansätze als tiefer reichende Wurzeln des Inklusionsbegriffes verfolgt, um anschließend zu sehen, was das für ein zukünftiges Inklusionsverständnis bedeuten kann.

Inklusion und Diversität im Spannungsverhältnis von Zusammenhalt und Verschiedenheit

An den Grenzen der oben erwähnten gesellschaftlichen „Teilsysteme“ – also Gruppen, Organisationen und Strukturen – entscheidet sich, wer dazugehört und am Gemeinsamen teilhaben soll. „Das Inklusive ist also stets zugleich sein Gegenteil – exklusiv“ (Jullien 2018:17).

Ein Beispiel: Eine Gruppe in sich Zugehörigender ist für jemand Außenstehenden interessant. Die Person wirbt um Zugehörigkeit. Hier entspringt eine Machtfrage. Lässt die Gruppe bzw. die zugrundeliegende und rahmengebende Organisation oder Struktur, die Aufnahme zu? Welche Voraussetzungen, Bedingungen und Kriterien stellt sie? Auf der anderen Seite: Welche Möglichkeiten hat die außenstehende Person, entweder die Kriterien zu erfüllen, oder welche Macht hat sie, sich auf anderem Wege Zugang zu verschaffen, oder – falls notwendig und erfolgversprechend – Einfluss auf die Kriterien der Aufnahme zu nehmen oder darum zu kämpfen?

Ähnlich verhält es sich im umgekehrten Fall. Jemand ist Teil einer Gruppe, die sich initiativ ergeben hat oder institutionell „hergestellt“ wurde. Hat die Person die Freiheit – d. h. die anerkannte und durch ihre individuelle Konstitution ausfüllbare und ggf. unterstützte Souveränität – die Kultur der Gruppe mitzubestimmen, Inhalte und Entscheidungen wie alle anderen zu beeinflussen? Was kann sie sich alles herausnehmen, an Haltung, Äußerungen und Verhalten? Wo liegen für Gruppe und Einzelperson jeweils die Grenzen der Akzeptanz und letztlich der Toleranz? Und was, wenn eine Person die Gruppe von sich aus verlässt, weil für sie Form oder bzw. und Inhalte nicht mehr passen, oder sich selbst nicht akzeptiert fühlt? Wie wird ein „auffällig werden“ oder ein Verlassen der Gruppe aus Gründen mangelnder Akzeptanz bewertet? 

Wenn die konstitutionelle, vielleicht temporäre, aber verbindlich vorgesehene Gruppenstruktur durchbrochen wird, gelangt der Aspekt der Entscheidungssouveränität und verschiedener Wahlmöglichkeiten auf den Prüfstand und es stellt sich für alle Beteiligten die Herausforderung, derlei Grenzfälle und Übergänge verträglich zu gestalten bzw. zu verkraften. 

Teilhabe als Auswahlmenge an Entscheidungsmöglichkeiten

Im Diskurs um den Teilhabebegriff nähert sich der Befähigungsansatz nach Amartya Sen (2010) und Martha Nussbaum (1999) Fragen nach Zugänglichkeit oder Barrieren, Ein- oder Ausgrenzung aus der Perspektive des Individuums auf die eigene Lebensgestaltung. Entscheidungssouveränität kann sich auf unterschiedliche Bereiche beziehen, unter anderem auch auf Fragen der Zugehörigkeit oder des Nicht- Zugehörenwollens. 

Peter Bartelheimer et al. (2022) machen deutlich, dass hier Teilhabe mit der Frage nach Lebensqualität in Zusammenhang gebracht wird. Entscheidend ist die Frage nach der „Summe der Handlungen und Zustände, (...) die einer Person möglich sind“ (ebd.:22). Wie umfangreich diese Anzahl von Möglichkeiten der Lebensgestaltung ist, hängt nicht nur von den zur Verfügung stehenden Ressourcen ab, sondern auch von den Möglichkeiten, diese Ressourcen im eigenen Sinne zu nutzen. Aus diesem Zusammenspiel von Ressourcen und „Umwandlungsfaktoren“ (ebd.:22) ergibt sich die „Auswahlmenge“ (Leßmann 2007; zit. n. Bartelheimer et al. 2022:22) an Handlungen und Zuständen. Je größer sie ist, desto eher können Personen selbstbestimmte Entscheidungen treffen, so dass ihnen möglich ist, „das Leben zu führen, das sie mit gutem Grund wertschätzen“ (Sen 2010:272; zit. n. Bartelheimer et al. 2022:22).  

Inklusion, Teilhabe, Partizipation, Integration – immer auch eine Frage der Machtverhältnisse

Neben der ‚Inklusion‘ gibt es weitere Begriffe, wie die ‚Teilhabe’, die ‚Partizipation’ und die ‚Integration‘, die mit Fragen nach Status und Deutungshoheit, sowie nach der Entscheidungssouveränität über den Zugang und die Ausgestaltung der Zugehörigkeit, Programmatiken, Formen und Inhalte verbunden sind (vgl. Gräßlin 2019). Immer geht es, wie erläutert, um Machtfragen und allzu oft um Machtgefälle. Wer beispielsweise hinzu kommt, findet Gegebenes und von anderen Bestimmtes vor, muss dies annehmen oder sich damit auseinandersetzen. Gelingt dies in einem inklusiven Prozess aller Beteiligten, kann die hinzukommende Person auch gleichberechtigter Teil des komplexen Feldes fortlaufender Veränderungen innerhalb der Gruppe werden oder sie aus freien Stücken verlassen. Bestehen allerdings die Leitung oder die ursprünglich angestammten Mitglieder einer Gruppe auf ihren Status und ihrer Deutungs- und Bestimmungshoheit, resultieren hieraus formell oder informell auf Anerkennung und Dominanz basierende hierarchische Strukturen. Eine radikal inklusive und demokratisch ausgerichtete Gruppe hingegen würde bei veränderter Konstellation durch neue Mitglieder auch die Gleichberechtigung bisheriger und neu hinzugekommener Mitglieder gewährleisten. Wie mit solchen Prozessen umgegangen wird, ist eine Frage der geteilten Verantwortung und der Verhandelbarkeit der Interessen und Anliegen aller Mitglieder; das Wie ist eine Frage der Kultur im Sinne einer Kunst des Zusammenlebens. 

Die Frage der Wahl im Hinblick auf ein zu bejahendes Leben

Vor einem ganz anderen Hintergrund als dem des bereits erwähnten Befähigungsansatzes, in dem es um die Auswahlmenge oder den Handlungs- und Entscheidungsspielraum als Voraussetzung für eine selbstbestimmte Lebensgestaltung im Sinne von Teilhabe geht, stellt Wilhelm Schmid in seinem Ansatz der Philosophie der Lebenskunst den Begriff der „Wahl“ ebenfalls ins Zentrum seines Ansatzes.

Das Individuum hat die Wahl auf der Grundlage seiner angenommenen Klugheit als „aufgeklärtes Eigeninteresse“ (Schmid 1999:23) mit dem Wissen um und dem Gespür für die eigenen Bedürfnisse, aber auch die der anderen, in deren Zusammenhang es sich eingebunden weiß (Schmid 1999). Der Begriff der Wahl wird hier als eine zu unterstützende Fähigkeit des Menschen im Spannungsfeld zwischen egoistischem Eigeninteresse und Zwängen der Unterordnung in bestehende Machtstrukturen dargestellt (Schmid 1999:22). Im Zusammenhang mit der Möglichkeit, neue Dinge auszuprobieren und neue Erfahrungen zu sammeln – bei Schmid im Begriff der „existentiellen Essayistik“ gefasst – ist die Wahl als Kernstück einer für das Individuum in sozialer Eingebundenheit gelungenen Lebensgestaltung zu verstehen. Dabei wird der Umgang mit Offenheit und Vieldeutigkeit im Begriff der „Skepsis“ als weiterer relevanter Faktor vorausgesetzt (Schmid 1999:18). 

Vielschichtigkeiten und Dynamiken als Grundlage für Veränderung

Auf den Begriff der Inklusion bezogen, beschreibt Mai-Anh Boger die mit äußeren und inneren Prozessen verbundenen Dynamiken in ihrem „Trilemma der Inklusion“ (Boger 2017). Sie betrachtet das Feld jeweils aus der Perspektive der Normalität (N), des Empowerments (E) und der Dekonstruktion (D), übersetzt in unserem Zusammenhang die Anpassung oder das Ringen um Anerkennung der eigenen Eigenschaften, Werte und Ansprüche als Teil der Allgemeinheit (N), der Befähigung zur Teilhabe und Mitgestaltung (E), sowie der Flexibilität und Plastizität eines Systems, sich gemäß ihren Teilhabenden immer wieder neu zu formieren (D). Nach Boger stehen diese drei Perspektiven in Widerspruch und Widerstreit. Betrachten wir das Verhältnis als Konfliktdreieck, birgt es die Chance der Klärung von Sichtweisen, Anliegen und Interessen im Diskurs – und im Prozess einer gleichzeitigen und dynamischen Wirksamkeit im besten Fall das Potenzial zur kollaborativen, kreativen Veränderung und Entwicklung (vgl. Gräßlin 2019:19-20 und Gerland 2019).

Klar ist demnach, dass Inklusion kein vollendbares Projekt ist. Sie ist ein stets offen zu haltender Prozess und, aus der Not geboren, ein politisches Ziel zur Erringung menschlicher Grundrechte (siehe Allgemeine Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen, Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland, UN-Konvention für die Rechte von Menschen mit Behinderung usw.). Im besten Fall gelingt sie für Momente als Real-Utopie des Alltags (vgl. Wright 2017:11). 

Je vielfältiger, desto besser

Dass ein hoher Grad von Eigeninitiative, Selbstverantwortung und -bestimmung der einzelnen aller noch so verschiedenen Akteur:innen im Austausch und der Aushandlung gemeinsamer Orientierungen zu viel größerer Innovationskraft und Nachhaltigkeit demokratischer Prozesse führt, ist spätestens seit den Paradigmenwechseln der 1970er und 1980er Jahre in der Bildungs- und Kulturszene längst verstanden. Hier lässt sich etwa erinnern an „Kultur für alle“ (Hilmar Hoffmann 1979), „Treibhäuser der Zukunft“ (Kahl 2004), „Playing Arts“ (Christoph Riemer/ Benedikt Sturzenhecker 1999/ 2005), universelle Tanz- und Theateransätze (z. B. bei Peter Brook, Pina Bausch, Ariane Mnouchkine) u. v. m. (vgl. Gräßlin/Zielke: 2023) Eine heterogene, fehlerfreundliche und konfliktfreudige Kultur hat nicht nur ein großes Lern-, Innovations- und Entwicklungspotenzial. Sie kann in der Gesellschaft im besten Sinne liberal, emanzipativ und demokratisch wirksam werden. Im Umkehrschluss stellte Carolin Emcke 2023 in ihrer Kolumne der Süddeutschen Zeitung fest: „Die liberale Demokratie ist inklusiv, oder sie ist nicht“ (Emcke 2023). Gleiches gilt entsprechend für Kultur und Bildung in der offenen Gesellschaft. 

Die Geschichte der Vielfalt 

Wie wichtig Diversität für die soziale, kulturelle und nachhaltige Entwicklung der Menschen ist, zeigt Morgan Llanque aus historischer Perspektive auf, indem sie „Eine andere Geschichte der Menschheit“ (2025) erzählt und deutlich macht, welche Wirkungen Vielfalt und Pluralität trotz weitaus überwiegender weißer und männlicher Dominanz in der Menschheitsgeschichte und ihrer Geschichtsschreibung entfaltet und vorangebracht haben. Immer wieder werden diese Impulse vom Mantel der Geschichte aus Angst vor dem Verlust der Dominanz, Deutungshoheit und Privilegien verdeckt, um so ihre nachhaltige Wirkung einzudämmen oder gar zu verhindern. 

Diese „Angst vor den anderen“ beschreibt Zygmunt Bauman in seinem gleichnamigen Essay als „Mixophobie“, als „Angst vor nicht beherrschbarem Unbekanntem, nicht zu Bändigendem, Beunruhigendem und Unkontrollierbarem“ (Bauman 2016:14). Demgegenüber steht bei ihm die Mixophilie als „Vorliebe für vielfältige, heterogene Umgebungen, die unerkannte und unerforschte Erfahrungen ermöglichen und daher die Freuden des Abenteuers und der Entdeckung versprechen“ (ebd.). 

Der Drang nach Resonanz und Teilhabe

Hartmut Rosa sieht die Polarität zwischen Sicherheitsbedürfnis und Neugier als grundlegenden Teil unserer Weltbeziehungen, die stets dadurch gestiftet werden, „dass wir etwas begehren (Subjekt-Pol), was uns als attraktiv erscheint (Welt-Pol), oder etwas fürchten (Subjekt-Pol), was uns als repulsiv begegnet (Weltpol)“ (Rosa 2016:189). Er verdeutlicht, wie wir uns in unserer Resonanz als Menschen untereinander und zur Welt in diesem Spannungsfeld bewegen. Dazwischen gilt unsere Sorge der Aufrechterhaltung von und für Resonanzbeziehungen und damit unser Da- und Mitsein; die Angst gilt ihrem Verlust. 

Verbunden in Verletzlichkeit

Gibt es bei all den Unterschieden noch etwas, das uns alle verbindet? Wir vergessen häufig, dass wir von Geburt an auf andere angewiesen sind. Die Sorge um uns selbst und um andere(s) ist etwas, was uns alle und mit allen anderen verbindet. Dem Medizin-Ethiker Giovanni Maio folgend, wurzelt diese Verbundenheit in unser aller Verletzlichkeit als Grundstruktur menschlichen Lebens (vgl. Maio 2024:17). Die Ethik, die er hieraus ableitet, fußt damit viel tiefer als der aus der europäisch geprägten Aufklärung entwickelte Begriff der Würde. Seiner Idee folgend wird unsere Gleichheit nicht moralisch behauptet, sondern rührt aus unserer natürlichen Konstitution als vergängliche, ständiger Veränderung ausgesetzter Wesen her, die sich in komplexer und dynamischer Wechselwirkung mit allen anderen Elementen der Welt entwickelt – und vergeht.

„Unter der Oberfläche sind wir miteinander verbunden“, schreibt Kate Tempest (Tempest 2020:58). Dies immer wieder zu vergegenwärtigen, mag Mut und Zuversicht geben, es immer wieder neu miteinander zu versuchen.

Alle gleich verschieden

Wie wir unsere Welt erleben, ist bei allen anders. Wir sind alle gleich verschieden, oder wie François Jullien sagt: „gleichzeitig vielfältig und einzigartig“ (Jullien 2018:46). Nach Julien muss man sich von einer mythologischen Vorstellung lösen, dass es irgendwann eine ursprüngliche Einheit-Identität gab, die sich dann diversifizierte. Seine These: „Es gibt keine kulturelle Identität“ (Jullien 2018). Vielmehr begründet er das Wesen des Kulturellen in der Spannung, im Abstand zwischen dem Vielfältigen und dem Einzigartigen, und „dass es stets in einer doppelten, gegenläufigen Bewegung von Hetero- und Homogenisierung begriffen ist“ (Jullien 2018:46). Und weiter unten: „Die Transformation ist der Ursprung des Kulturellen, und deshalb ist es unmöglich, kulturelle Charakteristik zu fixieren oder von der Identität einer Kultur zu sprechen“ (Jullien 2018:47). Es ist der Abstand, die Spannung im Dazwischen, aus der etwas Eigenes und zugleich Gemeinsames entsteht, und das nichts mit dem (immer-) gleichen einer vermeintlichen Identität einer Gruppe zu tun hat. 

Die Schönheit der Differenz 

Auch die Journalistin und Politikwissenschaftlerin Hadija Haruna-Oelker sieht mit ihrem Buch „Die Schönheit der Differenz – Miteinander anders denken“ „unsere zukünftige gesellschaftliche Aufgabe [darin], uns nicht nur damit auseinanderzusetzen, was uns verbindet, sondern auch mit dem, was uns unterscheidet. Und dazu braucht es insbesondere politische Räume, in denen ein ehrlicher Umgang mit den unangenehmen Seiten unserer Geschichte gefunden werden muss und den Folgen, die wir heute auf unterschiedliche Weise tragen“ (Haruna-Oelker 2022:17). Sie zeigt auf, dass in keiner Weise über historisch bedingte und heute noch immer wirksame Ungerechtigkeiten hinweggegangen werden darf. Sie sind „mit unseren Alltagshandlungen genauso verwoben wie mit unseren Vorstellungen von der Welt. So kommt es, dass alle Menschen andere verletzen können, aber wir uns darin unterscheiden, wie wir es tun. Und welche Konsequenzen wir aus den Erkenntnissen ziehen“ (ebd.).

Es gilt demnach, einander besser ansprechen, kennen und verstehen zu lernen, ohne einander zu verletzen. Und dort, wo wir andere missachten, müssen wir in der Lage sein, um Verzeihung zu bitten und Wege der Aussöhnung zu finden.

Bis hierhin lässt sich festhalten, dass für eine grundlegende Veränderung gesellschaftlichen Zusammenlebens verschiedene Aspekte kennzeichnend sind. Dazu gehören die Entscheidungssouveränität des Individuums im Spannungsverhältnis zu den es umgebenden Machtstrukturen und -gefällen, sowie das Potenzial von Verschiedenheit, das den Menschen in ein Spannungsfeld zwischen bedrohlicher Unbestimmtheit, stärkender Verbundenheit und innovativer Veränderlichkeit bringt. Daraus ergibt sich weiterhin die existenzielle Bedeutung der Anerkennung von Verschiedenheit als Voraussetzung für die menschliche Entwicklung. 

Nun soll es darum gehen, welche Impulse, Wahrnehmungsweisen und kulturellen Praktiken kulturelle Vielfalt als Potenzial und Ressource wahrnehmen und wertschätzen lässt und wie ihrer Entfaltung Raum gegeben werden kann.

Wurzeln einer Kultur der Vielfalt

Kunst und Kultur wider die Vereindeutigung der Welt

Thomas Bauer fordert als „Gegengift“ gegen die Vereindeutigung und Uniformierung der Welt die Steigerung der Lust am Vielfältigen und Uneindeutigen. Er setzt dabei auf „Kunst, Literatur und Musik (...), die im menschlichen Schaffensprozess ein Selbstwertgefühl sehen, und bestrebt sind, die Grenzen der Gestaltungsfähigkeit des Menschen, auch seiner handwerklichen und ästhetischen, zu erweitern“ (Bauer 2018:96), nebst einer assoziationsoffenen Kulturellen und naturkundlichen Bildung, „die die Schönheit, Vielfalt und Verletzlichkeit unserer Natur vermittelt“ (Bauer 2018:97).

Im Folgenden werden Zusammenhänge und Wechselwirkungen zwischen künstlerischer Praxis, Offenheit für Uneindeutiges und Verschiedenheit genauer beleuchtet. Dazu gehört die historische Entwicklung des Zusammenhangs zwischen künstlerischer Praxis und gesellschaftlichem Leben ebenso wie weitere menschliche Eigenheiten, die die Bedeutung von Kunst und Kultur für eine vielfältige Entwicklung der Gesellschaft belegen.

Wurzeln von Inklusion und kultureller Vielfalt in der Kunst

Die Bedeutungen und Funktionen von Kunst stehen – geschichtlich betrachtet – wie alle anderen kulturellen und sozialen Phänomene immer im Verhältnis zu gesellschaftlichen Rahmenbedingungen. So können wir den Ursprung künstlerischer Mittel eng mit der Entwicklung gestischer, stimmlicher und zeichenhafter Sprachformen sehen, also zunächst als elementaren Selbstausdruck und Medium der Interaktion. Mit der performativen und bildlichen Darstellung von Alltagsszenen ging es gleich auch um die Vergegenständlichung und Deutung der Welt-Wahrnehmung (vgl. auch John Dewey 1934). Und in frühen Formen von Ritualen und Festen gleich um die Verhandlung des Umgangs mit den jeweiligen natürlichen, sozialen und als magisch eingeschätzten Lebensbedingungen. „Die Imagination möglicher Welten beruht auf einem Spiel des Glauben-Machens und kann durch die Präsenz eines bestimmten Objekts angeregt werden“ (Detel 2022:168). Auch künstlerischer Ausdruck entsteht von Beginn an im ästhetischen Dialog mit der materiellen und natürlichen Umgebung, mit Anderen und mit spirituell motivierten Instanzen.

Erst sehr viel später, etwa in der europäischen Antike und insbesondere in der Renaissance, bildete sich die Künstler:innenfigur als geniale Persönlichkeit, einsam in ihrem aus sich heraus gebildeten und von der Gesellschaft als kontrovers wahrgenommenen Selbstausdruck, heraus. Diesem Verständnis folgend ist Kunst besonders wirksam, wenn sie radikale Formen annimmt und entsprechend Stellung bezieht. Etwa dann, wenn sie eindeutig sichtbar macht, was im gesellschaftlichen Zusammenhang eher unterschwellig vorhanden ist, tabuisiert oder im Mainstream verschleiert wird. Gleichzeitig geht mit der Etablierung von genialen Künstler:innen die Bildung von bis zur Vergötterung reichenden Kultfiguren einher. Dem entgegen wirken im 20. Jahrhundert zahlreiche Versuche, die hehre Kunst und ihre Mythen vom Sockel zu holen und zu entmusealisieren. Spätestens mit dem erweiterten Kunstbegriff von Joseph Beuys und seinem Postulat „Jeder Mensch ist ein Künstler.“ ist das künstlerische Handeln wieder mitten in der Gesellschaft angekommen. Insbesondere wenn Martin Kippenberger aus seiner künstlerischen Erfahrung heraus noch den Satz umkehrte und meinte: „Jeder Künstler ist ein Mensch“ (vgl. Martin 2025:11). Auch in der Kunst spielen also Gegensätze, Abstände und gegenläufige Wirkungen zwischen Individuum und Gesellschaft eine wesentliche Rolle.

Das Pendel der Kunst: Offen und entschieden

Mirjam Schaub verdeutlicht dies in ihrem Text „Offen und entschieden: die idiosynkratische Radikalität der Kunst“ (Schaub 2021) anhand der Lektüre von Umberto Eco, Niklas Luhmann und Gilles Deleuze und stellt auf verschiedenen Denkwegen immer wieder das Widersprüchliche, Paradoxe, gegenüberstehende und letztlich aus dem Komplexen, Offenen und Vielfältigen entstehende Besondere, Klare und Hervorstechende als Quelle der Kunst heraus. In ästhetischen Prozessen braucht es immer beides: den Raum und den Gegenstand im Raum, die Masse und heraustretende Einzelne, den inhaltlichen oder formalen Kontext und das singuläre Geschehen.

Die Kunst ist mit dem Ausagieren sozialpsychologischer Widersprüche, wie sich die Gesellschaft auch im Allgemeinen und in konkreten Gruppen im Alltag immer wieder verstricken, Teil lebendiger sozialer und politischer Realität. Wir bewegen uns als schöpferische Menschen zwischen der Neugier und dem Bedürfnis nach Entwicklung auf der einen Seite, nach Sicherheit und Vereindeutigung auf der anderen. Beide Perspektiven führen im Extrem zur Ausblendung von Realitäten und in deren Folge zur Ausgrenzung und Diskreditierung derer, die anders sind, denken oder handeln. Inklusion kann sich nur im Dazwischen, in der mehrdimensionalen Wahrnehmung und Verhandlung vielfältiger Perspektiven und Identitäten ereignen (vgl. auch Hentschel 2015). Kein Wunder, dass die sich daraus ergebenden Dynamiken und Dramatiken wiederum regelmäßig zum Gegenstand künstlerischer Projekte werden. Künstlerische, soziale und politische Prozesse geschehen immer im Wechselspiel mit Anderen und anderem. Verbunden mit ihrer ästhetischen Kraft (vgl. Menke 2013 und Sturzenhecker 2026) wird gerade an der Kunst deutlich: Schöpferisches, konstruktives und wirkmächtiges Potenzial des Menschen entspringt dem Dazwischen.

Gemeinsame Bedeutungskonstruktionen

Melanie Herzog spricht – mit Bezug zur Theorie des symbolischen Interaktionismus – von gemeinschaftsbildenden Prozessen, die entstehen können, wenn sich aus gemeinsamem Handeln Aushandlungsprozesse ergeben, die zu einer gemeinsamen Bedeutungskonstruktion der Beteiligten führen (Herzog 2018). Dies geschieht in der gemeinsam erlebten und gestalteten Musik, im Tanz, in der Bildenden Kunst in häufig nonverbaler und insofern vielfältig zugänglicher Weise, aber auch im performativen Umgang mit Sprache im Theater oder in anderen medialen und sprachlichen Ausdrucksformen. 

Das Prinzip der Gabe

Über das Prinzip der gemeinsamen Bedeutungskonstruktion hinaus weist die Annahme, der Mensch sei grundsätzlich befähigt, in den Austausch zu treten, etwas von sich zu geben, von anderen in Empfang zu nehmen und darauf wieder zu antworten. Das Prinzip der Gabe nach Mauss findet sich in den Prozessen künstlerischer Praxis, des intensiven Miteinander Gestaltens, des Ringens um eine Form des Ausdrucks wieder (Hentschel 2015:129ff.). Es kann gleichzeitig als Bedingung und als Konsequenz aus der Intensität und Präsenz menschlichen Handelns im künstlerischen Prozess, aber auch in Prozessen der ästhetischen Erfahrung und des Austauschs im Alltag, angesehen werden, Reziprozität als eine weitere Wurzel inklusiven Handelns. 

Ästhetik der Vielen und Dia-log

In einer vielfältigen Gesellschaft ist die Vielheit an individuellen und kulturellen Ausdrucks- und Lebensformen, ihre Wahrnehmung und Verhandlung als eine Ästhetik der Vielen (vgl. Gräßlin/Zielke 2023) zu erleben. In der Verknüpfung der Diversität als kreativem Potenzial mit der gesellschaftlichen Wirksamkeit der dialektischen Interaktion Verschiedener können alle von- und miteinander profitieren. Das Kulturelle ist nach Jullien dadurch ausgezeichnet, dass es gleichzeitig vielfältig und einzigartig ist (vgl. Jullien 2018:46). Es ist unsere Quelle für Innovation und kulturelle Entwicklung. 

„Denn eine kulturelle Form ist bedeutsam, weil sie Abstände und Einzigartiges hervorbringt und somit erfindungsreich ist. Sie wird die Vielfalt der Gedanken aus ihrer Eingeschlossenheit herausholen, damit sie einen Beitrag zum Gemeinsamen der Intelligenz leisten kann – genau darin besteht die Wirklichkeit von ‚Dia-log‘.“ (Jullien 2018:95)

Wahrnehmungen und Anregungen, die im Wechselspiel zwischen Akteur:innen untereinander realisiert und geteilt werden, führen zu einem ästhetischen Dialog, der seinen Ausdruck gleichzeitig in der Präsenz der Subjekte, deren Umgang miteinander und im bewussten Gestalten des jeweils eigenen Verhaltens zueinander findet. Dabei wird, wie wir uns in der Betrachtung eines banalen Objektes oder eines gestalteten Artefaktes in sinnlich-schöpferischer Resonanz verhalten, auch unser personales Gegenüber zum Gegenstand unserer Wahrnehmung und Auseinandersetzung. Im kulturellen und künstlerischen Rahmen geschieht dies gleichzeitig auf sozialer und ästhetischer Ebene, denn: 

„So wie ästhetische Wahrnehmungs- und Handlungspraxis und Spiel gehen auch Empfinden, Wahrnehmen und Erkennen ineinander über. Ästhetische Erfahrung entsteht in der Beziehung zwischen Subjekt und Gegenstand. Dabei vollzieht sie sich auf der Ebene des unmittelbaren sinnlich-emotionalen Erlebens, aber auch auf der des bewussten Empfindens und Erkennens.“ (Hentschel 2019:56)

Der Spielraum im Dazwischen

Man kann auch sagen: Im Dazwischen entsteht ein Spielraum, der frei und miteinander ver-handelt werden kann. Abstände wahrzunehmen, zu würdigen, und die Spannung unter Verschiedenem und Verschiedenen auszuhalten und sich auf darin wirksam werdende Impulse einzulassen, bilden sowohl die Voraussetzung für einen differenzierten und respektvollen Umgang miteinander, als auch für künstlerisches Handeln. Frank Adloff meint hierzu: 

„Ästhetische Praktiken sind dann solche, in denen sich Eigenart, Eigensinn und Eigenwert von Dingen, Artefakten und des Lebens ausdrücken können. Dies bedeutet auch, dass Künstler:innen nicht dem Material ihren Willen aufzwängen dürfen. Kunst entsteht da, wo sich Eigensinn und Freiheit treffen, und nicht dort, wo jemand über Natur und Material herrscht.“ (Adloff 2018:259)

Der Spielraum als Bühne der Weltbeziehungen 

Begünstigt wird ästhetisches Denken und Handeln aus Neugier und Lust am Spiel. Friedrich Schiller führte dies sogar auf einen eigenen Spieltrieb zurück und folgerte: 

„Der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Wortes Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt.“ (Schiller 1793:618)

Auch für Hans Georg Gadamer ist Spiel eine elementare Funktion des menschlichen Lebens, „sodass menschliche Kultur ohne ein Spielelement überhaupt nicht denkbar ist“ (Gadamer 1977:36). Gadamer leitet das Spiel aus dem Hin und Her einer Bewegung ab, die sich ständig wiederholt und in sich frei ist. Es sei ferner klar, „dass zu einer solchen Bewegung Spielraum gehört“ (ebd.). Das gelte insbesondere für die Kunst. 

„Die Freiheit, die hier gemeint ist, schließt ferner ein, dass die Bewegung die Form der Selbstbewegung haben muss. (...) Das Spiel erscheint nun als eine Selbstbewegung, die Bewegung als Bewegung, die sozusagen ein Phänomen des Überschusses, der Selbstdarstellung des Lebendigseins, meint.“ (Gadamer 1977:37)

Das gleiche gilt für die Begegnung als elementare Form des Seins, wie Martin Buber in „Das dialogische Prinzip“ eindrücklich herleitet. Wir erfahren demnach unsere Existenz im Hin und Her unserer gegenseitigen Wirkungen: „Ich werde am Du; Ich werdend spreche ich Du. Alles wirkliche Leben ist Begegnung“ (Buber 2002:15).

Im Rückgriff auf Hartmut Rosa lässt sich in der Begegnung mit Anderem zwischen Begehren einerseits und Angst andererseits ein Resonanzraum annehmen, in dem aus verschiedenen Perspektiven und der Sorge um den Zusammenhalt heraus das soziale Gruppenverhalten verhandelt wird (siehe: Nicole Zielke „Formen der Selbst- und Weltbeziehungen im Theater“). In demokratischen Strukturen wird über Diskurse, Konsens- und Mehrheitsentscheidungen inklusive Minderheitenschutz die offene Gesellschaft gestaltet. Wie jede Innovationskraft müsste sich auch die künstlerische Inspiration diesem Prozess unterordnen. Grundrechtlich mit der Freiheit der Kunst ausgestattet, kommt ihr gesellschaftlich jedoch eine besondere Rolle zu. Sie hat einen legitimen Freiraum, in dem angrenzend und zugleich jenseits des Alltags existentielle und aktuelle gesellschaftliche Fragen mit ästhetischen Mitteln auch in ihren Extremen verhandelt werden können.

Künstlerische Praxis ist also zu allen Zeiten – wenn auch auf unterschiedliche Weise – eng mit gesellschaftlichem Leben verwoben. Dabei kann sie in der Vielfalt ihrer Ausdrucksformen und Begegnungsmöglichkeiten auf der Grundlage ästhetischer Wahrnehmungs- und Ausdrucksformen Experimentierfelder bereitstellen und Impulse geben, die in den gesellschaftlichen Alltag hineinwirken und ihn verändern können. Diese Veränderungen können als Teil einer radikalen Form von Inklusion bezeichnet werden. Auf der Grundlage dieser Annahmen ergibt sich der Vorschlag, im Feld von Kunst, Kultur und Kultureller Bildung eine inklusive Orientierung umzusetzen, die als radikal verstanden werden kann, wurzelnd in den verschiedenen hier beleuchteten ethischen und kulturwissenschaftlichen Ansätzen, aber auch in den grundlegenden Kennzeichen, die der Kunst, Kultur und kultureller Bildung selbst zu eigen sind.

Eine Kultur der Vielfalt als radikal inklusiver und diverser Ansatz in Kunst, Kultur und Kultureller Bildung

Eine radikale Inklusion ist, wörtlich verstanden, ein Prozess von den Wurzeln her, der weder abgeschlossen noch umfassend umgesetzt werden kann, und doch grundsätzlich anzustreben ist.

Als Fortführung der Aussage von Carolin Emcke (vgl. oben) zur Inklusivität von Demokratie können wir dann die These aufstellen: 

Inklusion ist radikal oder sie ist nicht.

Wenn Inklusion radikal ist, braucht man sie nicht mehr. Dann geht es um Anerkennung der Differenz, des uneindeutigen Zwischenraumes, Umgang mit dem Spielraum auf der Grundlage einer wechselseitigen und umfassenden Verbundenheit.

An die Stelle des Inklusionsbegriffes könnte dann der Begriff der „Kultur der Vielfalt“ treten, innerhalb dessen Fragen der Haltungen und des Zusammenlebens im Zentrum stehen und auf die Bedeutsamkeit künstlerischer und kultureller Bildungspraxis für eine an Vielfalt und anderen beschriebenen Werten orientierte Gesellschaft verweisen.

Hier liegen verschiedene Herausforderungen an eine Gesellschaft, wie sie heute ist und eingangs als bestimmt durch die Tendenz und das Verlangen des Menschen nach Vereinheitlichung, Vereindeutigung, Effizienzorientierung und Abgrenzung als Grundlage eigener Macht beschrieben wurde. Das gilt für zwischenmenschliche Verhältnisse genauso wie für das Verhältnis des Menschen zur Natur als seiner Lebensgrundlage.

Die Wahrnehmung von Differenz als Ressource (vgl. Jullien 2018:53ff.), auch wenn sie zunächst der eigenen Lebenswelt gegenüber fremd erscheint, die Wahrnehmung von Spielräumen, die sich gegenüber vorher angenommenen Grenzen, Fremdheiten oder Bedrohungen immer wieder öffnen und die künstlerische Entfaltung und kollektive Gestaltung von Kulturen der Vielfalt ermöglichen – dies sind konstituierende Bestandteile einer radikalen Inklusion, die überflüssig wird. Auch wenn sie immer noch Voraussetzung für ein gesellschaftliches Zusammenleben ist, tritt sie in den Hintergrund gegenüber der fundamentalen Bedeutsamkeit von Haltungen des Menschen als grundsätzlich verletzliches, aber verbundenes und eingebundenes, dabei imaginationsfähiges und gestaltungswilliges Wesen.

Was bedeutet das konkret für die Praxis in Kunst, Kultur und Bildung?

Damit sich eine Kultur der Vielfalt entwickeln kann, muss sie von Neugier und Respekt füreinander geprägt sein. Dazu gehören die aufrichtige Wahrnehmung und der Austausch unterschiedlicher Perspektiven, Erfahrungen und Wissensformen, um im Dialog unter Verschiedenen neue Wege der Begegnung und Gestaltung zu finden. Unabhängig vom weiterhin notwendigen Werben um das Verständnis für die Situation marginalisierter Gruppen und deren Rechtevertretung gilt es, offene soziale und kulturelle Räume für alle zu schaffen, zu halten und zu schützen. Voraussetzung dafür ist, der Orientierung an primären Zielgruppen und Eigendynamiken, die an vordergründiger Effizienz, linearem Wachstum und Vereindeutigung orientiert sind, zu widerstehen. Stattdessen gilt es, der eigenen Neugier zu folgen und Strategien zur Bildung heterogener Teams und Gruppen zu entwickeln. Methodisch lohnt es sich, sich an Prinzipien künstlerischen und kooperativen Handelns zu orientieren und gemeinsame Vorhaben in wirklich ergebnisoffenen Prozessen anzugehen – ohne selbst zu wissen, was genau dabei herauskommt. 

Hierfür geeignete Ansätze gibt es bereits viele, sowohl im Hinblick auf theoretische Reflexionen, gesellschaftliche Konzepte oder Praxismodelle. Einige wurden hier genannt. Doch es beginnt bei uns selbst: sich trauen und sich mit neuen Themen und anderen Lebensrealitäten beschäftigen; den Austausch mit Menschen suchen, die den eigenen sozialen und inhaltlichen Horizont erweitern; neue Vorhaben mit Anderen von Beginn an offen und dialogisch gestalten. Auf geht's!

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Matthias Gräßlin, Katharina Witte (2026): Radikal inklusiv – Von der Teilhabe zur Gestaltung in kultureller Vielfalt. In: KULTURELLE BILDUNG ONLINE: https://kubi-online.de/artikel/radikal-inklusiv-teilhabe-zur-gestaltung-kultureller-vielfalt (letzter Zugriff am 30.03.2026).

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